Österreich

Vergangene Dunkelheit, zukünftige Erinnerung: Wie Opfergeschichten durch Nachkommen weiterleben

Generationenanalogie als neue Erfahrung der Erinnerungsarbeit an den Nationalsozialismus

Die Vermittlungsarbeit über die Gräueltaten des Nationalsozialismus steht vor der Herausforderung, dass die Anzahl der Zeitzeugen, die ihre Erlebnisse weitergeben können, von Jahr zu Jahr abnimmt. Lediglich 17 Personen engagieren sich noch in Schulbesuchen, um den Schülern die schrecklichen Ereignisse des Holocaust näherzubringen. Auch jüngere Überlebende zögern zunächst, in Schulen zu sprechen, doch das Interesse wächst aufgrund globaler Ereignisse und der Notwendigkeit, die Geschichte ihrer Familien zu teilen. Um dennoch die Erfahrungen der älteren Generation zu bewahren, wurden 208 Videos von Zeitzeugen aufgenommen, um sie in den Unterricht zu integrieren. Die persönliche Begegnung mit Zeitzeugen kann laut Julia Demmer von Erinnern.at durch kein Video ersetzt werden, da vor allem die emotionalen und sozialen Aspekte von großer Bedeutung sind.

Um die Erinnerungen auch dann lebendig zu halten, wenn die Zeitzeugen verstorben sind, wird ein Pilotprojekt mit Nachkommen jüdischer NS-Verfolgter durchgeführt. Diese Zusammenarbeit soll dazu beitragen, Erfahrungen mit Flucht, Exil und Antisemitismus nach 1945 zu vermitteln und die Kontinuität von Ausgrenzungen und Diskriminierungen sichtbar zu machen. Die persönliche Geschichte wird von Nachkommen wie Milli Segal weitergetragen, die die Erzählungen ihrer Eltern über den Holocaust an Schulen teilt. Segal betont die Bedeutung des direkten Gesprächs, da es die Möglichkeit bietet, gezielte Fragen zu stellen und ein echtes Interesse am Erzählten zu vermitteln.

Das österreichische Bildungsministerium unterstützt Schulbesuche von Gedenkstätten und fördert digitale Erinnerungslandschaften wie das Projekt „Derla“, das Rundgänge zu Erinnerungsorten des Nationalsozialismus anbietet. Es ist entscheidend, dass Schülerinnen und Schüler eine persönliche Verbindung zur Geschichte herstellen können, um ein tieferes Verständnis für die Geschehnisse zu entwickeln. Die Vermittlung durch Zeitzeugen und die Besichtigung von Gedenkstätten sind wichtige Werkzeuge, um die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig zu halten und gegen antisemitisches Gedankengut vorzugehen.

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