Österreichs größter Stromkonzern, der Verbund, plant eine grundlegende Anpassung seiner Tarifstruktur für Haushaltskunden, die ab dem 1. März 2026 in Kraft treten soll. Der neue Preis pro Kilowattstunde (kWh) wird bei 12,50 Cent netto angesetzt. Im Rahmen dieser Änderung wird im ersten Vertragsjahr ein Rabatt von 3 Cent pro kWh angeboten, was den effektiven Preis auf 9,50 Cent vor Steuern senkt. Diese Maßnahme ist Teil der Reaktion des Unternehmens auf die aktuellen Marktentwicklungen und kommt nach einer Phase, in der die Preise infolge der Energiekrise stark angestiegen sind.

Vor diesem neuen Tarif betrug der Preis 15,70 Cent pro kWh, der durch die Aktion „5 Monate Gratisstrom“ im ersten Jahr auf lediglich 9,16 Cent sank. Der Verbund hat damit beschlossen, die neue Struktur an den günstigsten Angeboten ohne Rabatt zu orientieren, die gegenwärtig bei 9 bis 10 Cent netto beginnen. Mit der

20%igen Umsatzsteuer wird der Preis im ersten Jahr insgesamt auf 11,40 Cent pro kWh steigen. Eine Preisgarantie für 12 Monate ist ebenfalls Teil des neuen Angebots. Bestandskunden haben die Möglichkeit, in die neue Tarifstruktur zu wechseln und profitieren von dem Rabatt für die nächsten 12 Monate.

Wechselbedingungen und Angebote für Bestandskunden

Kunden, die aktuell von der Aktion „5 Monate Gratisstrom“ profitieren, können nach Ablauf der 12-monatigen Mindestvertragslaufzeit ebenfalls auf den neuen Tarif wechseln. Der Wechsel erfordert eine aktive Zustimmung und kann entweder online oder telefonisch vorgenommen werden. Auch Neukunden können ab sofort von dem neuen Angebot profitieren, das eine reaktionäre Anpassung an die Marktlage darstellt.

Die Energiepreise in Österreich waren im Zuge der Energiekrise, die mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 begann, extrem gestiegen. Vor der Krise lagen die Strompreise durchschnittlich bei 5 bis 7 Cent netto pro kWh. In der Hochphase der Krise stiegen die Kosten auf über 30 Cent, während die Tarife für Neukunden sogar über 40 Cent pro kWh lagen. Der Verbund hatte daraufhin bereits Mitte 2024 den Preis für Bestandskunden von 23,9 auf 19,70 Cent und anschließend auf 15,60 Cent gesenkt.

Herausforderungen in der Energieversorgung

Die Anpassungen der Strompreise stehen im Kontext einer angespannten Energieversorgung in Österreich. Die Unsicherheiten bezüglich der Heizsituation im kommenden Winter und die Abhängigkeit von Erdgasimporten aus Russland, die etwa 23% des gesamten Erdgases in Europa ausmachen, betreffen die Volkswirtschaft sowie Industrie und Verbraucher stark. Österreich bezieht 86% seiner Erdgaseinfuhren aus GUS-Staaten, was die Herausforderungen zusätzlich verstärkt.

Der Verbund will mit der neuen Tarifstruktur nicht nur auf diese Entwicklungen reagieren, sondern auch verhindern, dass die Kundenzufriedenheit in Zeiten steigender Energiekosten leidet. Wie sich die Preise langfristig stabilisieren lassen, bleibt jedoch abzuwarten, insbesondere vor dem Hintergrund möglicher zukünftiger Krisen und der volatilen Lage auf den Energiemärkten.