Eine kontroverse Anweisung an der Joseph-Beuys-Gesamtschule in Kleve sorgt derzeit für Unruhe und heftige Diskussionen. Während des Ramadans sollen Schüler, die nicht fasten, sich beim Essen ihres Pausenbrots „wegdrehen“, um muslimische Mitschüler nicht zu provozieren. Dies berichtet oe24. Eltern und Schülerinnen haben von besorgniserregenden Vorfällen berichtet, darunter Mobbing und das Drängen auf das Wegwerfen von Essen durch muslimische Mitschüler.
Die Lehrerin, die die Anweisung gab, rechtfertigte diese mit der Notwendigkeit, Provokationen zu vermeiden. Allerdings empfinden viele Eltern diese Regelung als Eingriff in die persönliche Freiheit und als einseitige religiöse Rücksichtnahme. In der Klasse, die von Konflikten geprägt ist, wurden bereits beleidigende Äußerungen wie „hässliches deutsches Mädchen“ geäußert, was die Intensität des Mobbings verdeutlicht.
Institutionelle Reaktionen
Die Bezirksregierung Düsseldorf sowie das NRW-Schulministerium haben angekündigt, den Sachverhalt zu prüfen. Eine Sprecherin der Bezirksregierung betonte, dass Schüler nicht in ihrem persönlichen Verhalten eingeschränkt und niemandem religiöse Vorschriften aufgezwungen werden dürfen. Ein respektvolles Miteinander sei die Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Schulleben, und die vorgebrachten Vorwürfe sollen gründlich überprüft werden.
Im Kontext dieser Tasche sind Konflikte zwischen Schülern in deutschen Schulen nicht neu. Eine unveröffentlichte Erhebung der Internationalen Hochschule Hannover, in der fast 700 Schulmitarbeiter befragt wurden, zeigte, dass über ein Drittel von Spannungen aufgrund religiöser Unterschiede berichtete, häufig in Verbindung mit dem Islam. 26 % der Befragten gaben an, islamistische Einstellungen unter Schülern wahrgenommen zu haben. Dies sind besorgniserregende Zahlen, die von WDR dokumentiert wurden.
Der Dialog zwischen Religion und schulischem Alltag
Religiöse Konflikte sind Teil der Realität im Schulalltag. Der Forschungsverbund Deradikalisierung hat eine bundesweite Befragung durchgeführt, die zeigt, dass Fachkräfte oft unzureichend auf religiös begründete Konflikte vorbereitet sind. 36 % der Befragten gaben an, dass sie religiöse Praktiken als herausfordernd empfinden, und etwa 20 % berichteten von islamistischen Einstellungen bei Schülern. Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen, dass Schulen als zentrale Instanzen der Bildung und Sozialisation eine wichtige Rolle spielen müssen, um den interreligiösen Dialog zu fördern und Extremismus entgegenzuwirken, wie ufuq.de berichtet.
Fachkräfte fordern praxisnahe Unterstützung und Aus- sowie Fortbildung im Umgang mit der religiösen Vielfalt. Schulen sollten gestärkt werden, um als Orte demokratischer Bildung und interreligiöser Verständigung zu fungieren. Der Bedarf ist hoch, um zwischen legitimer religiöser Praxis und potenzieller Radikalisierung zu unterscheiden.