Der Unrast-Verlag aus Münster hat entschieden, die Bücher des renommierten US-Publizisten und Sprachwissenschaftlers Noam Chomsky nicht mehr zu vertreiben. Grund für diesen Schritt ist Chomskys anhaltender Kontakt zu Jeffrey Epstein, der wegen seiner Rolle in einem umfassenden Missbrauchsring in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Diese Entscheidung ist Teil des Engagements des Verlags gegen Frauenhass und patriarchale Gewalt. Unrast gab bekannt, dass man Chomsky keine Plattform oder Einkommen mehr bieten möchte, um klare Zeichen zu setzen, wie die Exxpress berichtet.
Chomsky, der mittlerweile 97 Jahre alt ist, hatte bis 2017 E-Mails mit Epstein ausgetauscht, in denen er ihm unter anderem riet, die „hysterischen Anschuldigungen“ rund um seine Person auszusitzen. Die neu veröffentlichten Dokumente des US-Justizministeriums zeigen, dass Chomsky Epstein 2019 empfahl, die Medienaufmerksamkeit und öffentlichen Vorwürfe zu ignorieren. Dies geschah zu einer Zeit, als Epstein bereits verurteilt war und mit einer zweiten Anklage wegen Sexhandels konfrontiert war.
Details zu Chomskys Verbindung zu Epstein
Chomskys Kommunikation mit Epstein ist von persönlicher Vertrautheit geprägt. Die Guardian beschreibt, wie Chomsky Epstein um die Einführung bei Steve Bannon bat, und es gibt Hinweise auf finanzielle Engagements zwischen den beiden. Valeria Chomsky, die Frau des Publizisten, hat sich im Namen ihres Mannes entschuldigt und erklärt, sie hätten versäumt, Epsteins Hintergrund besser zu prüfen. Unter den weggenommenen Titeln finden sich Chomskys bedeutendste Werke, darunter „Der Terrorismus der westlichen Welt“ und „Die Klimakrise und der Global Green New Deal“.
Die Entscheidung von Unrast wirft im weiteren Kontext Fragen auf, wie andere Verlage, darunter Suhrkamp, Piper und Ullstein, mit Chomskys Publikationen verfahren werden. Diese Situation ist nicht nur auf Chomsky beschränkt, da auch andere Persönlichkeiten wie Bill Clinton und der ehemalige britische Prinz Andrew wegen ihrer Verbindungen zu Epstein unter Beschuss geraten sind. Clinton sieht sich weiteren Erklärungen vor dem US-Kongress gegenüber, während Andrew aufgrund von Geheimnisverrat in der Kritik steht. Auch Børge Brende, der Chef des Weltwirtschaftsforums, trat wegen seiner Verbindung zu Epstein zurück.
Chomsky ist derzeit gesundheitlich angeschlagen und kann aufgrund eines Schlaganfalls im Jahr 2023 keine öffentlichen Stellungnahmen abgeben. Die T-Online berichtet, dass die Situation um Epstein und Chomsky die Debatte über persönliche Netzwerke und die Verantwortung von Publizisten bei der Auswahl ihrer Verbindungen neu entfacht hat.