Das umstrittene Projekt am Heumarkt in Wien, das von Investor Michael Tojner (Wertinvest) initiiert wurde, steht erneut im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Die Pläne umfassen den Bau eines Wohnhauses sowie die Neuerrichtung des Hotel Intercontinental. Aufgrund von Bedenken der UNESCO, die die Auswirkungen auf das Stadtbild fürchtet, wurden die ursprünglichen Pläne bereits mehrfach angepasst und reduziert. So wurden die maximalen Höhen zwischen 56,5 und 47,85 Metern für das Projekt „Heumarkt Neu“ festgelegt, nachdem der einst vorgesehene Luxus-Wohnturm des Architekten Isay Weinfeld mit 74 Metern Höhe massiver Kritik ausgesetzt war. Der aktuelle Stand des Projekts bezieht sich auf die Variante aus dem Jahr 2023, die nun einer erneuten Umweltprüfung (UVP) unterzogen werden muss. Der Bescheid der Wiener Landesregierung, wonach keine UVP notwendig sei, wurde aufgehoben.

Wie kleinezeitung.at berichtet, hat das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) entschieden, dass die Projektvariante das schutzwürdige Gebiet der UNESCO-Welterbestätte „Historisches Zentrum Wien“ wesentlich beeinträchtigt und daher eine Umweltprüfung erforderlich ist. Dutzende Privatpersonen sowie zwei Umweltorganisationen hatten Beschwerde gegen die Entscheidung der Wiener Landesregierung eingelegt, die im November 2024 festgestellt hatte, dass keine Umweltprüfung notwendig sei. Die Projektwerberin hat nun die Möglichkeit, binnen sechs Wochen außerordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof zu erheben oder sogar vor den Verfassungsgerichtshof zu ziehen.

Hintergrund zum Welterbe

Die UNESCO hat die Innere Stadt Wiens auf die Rote Liste der Welterbestätten gesetzt, wobei ein wesentlicher Grund hierfür der Schutz des historischen Stadtbildes ist. Zu den von der UNESCO anerkannten Stätten zählt das „Historische Zentrum Wien“, das 2001 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde und durch seine einzigartige Architektur und kulturelle Bedeutung hervorsticht. Einige bedeutende Welterbestätten, die ebenfalls durch Baustellen und geplante Umgestaltungen gefährdet sind, befinden sich in Italien, wie etwa das Historische Zentrum Roms und das Historische Zentrum von Florenz.

Die Umgestaltungen am Heumarkt sind seit 2012 geplant und beinhalten nicht nur den Bau des Hotels, sondern auch die Umwandlung des Eislaufvereins. Die Problematik der Raumplanung wird verstärkt durch die Veränderungen in der Flächenwidmung, die 2017 eine Höhe von 66 Metern erlaubte, während der aktuelle Plan die Gebäudehöhe weiter reduzierte.

Laut den jüngsten Informationen hat die UNESCO im Vorjahr vier mögliche Projektvarianten vorgeschlagen. Besonders umstritten bleibt jedoch die Option, die eine Höhe des Wohnkomplexes vorsieht, die unterhalb der 38 Meter des Hotel Intercontinental liegen müsste. Dies könnte auch zu einer starken Einschränkung der Baupläne führen und letztlich die gesamte Umgestaltung des Heumarkt-Areals in Frage stellen.