Am 7. Jänner 2026 steht der Sturm auf das Kapitol, der am 6. Jänner 2021 stattfand, erneut im Zentrum der politischen Debatte in den USA. Donald Trump, der damals Präsident war, wird weiterhin als umstrittener Held angesehen, insbesondere nachdem er rund 1.500 seiner Anhänger begnadigt hat, die wegen ihrer Rolle bei den Ereignissen verurteilt wurden. Diese Begnadigungen, die Trump am ersten Abend seiner erneuten Amtseinführung am 21. Jänner 2025 unterzeichnete, werden von ihm nicht als Akte der Strafmilderung, sondern als Schritte gegen ein korruptes Rechtssystem dargestellt, das seiner Meinung nach unschuldige Bürger verfolgt hat. Die Begnadigungen betreffen unter anderem mehr als 1.000 Personen, die im Zusammenhang mit dem Kapitolsturm verurteilt wurden, darunter auch Mitglieder der „Proud Boys“, zu denen der ehemalige Anführer Enrique Tarrio gehört, der nach 22 Jahren Haft von Trump begnadigt wurde.

Die Ereignisse des 6. Jänner 2021 selbst bleiben ebenso brisant. Trump hatte seine Anhänger mit aufrührerischen Reden aufgestachelt, in denen er versprach: „Wir werden zum Kapitol gehen“ und „Wir werden niemals aufgeben.“ Die Menge, die mit Metallknüppeln, Holzbrettern, Feuerlöschern und Pfefferspray bewaffnet war, drang in das Kapitol ein, was zu gewaltsamen Zusammenstößen führte, bei denen fünf Menschen, einschließlich des Kapitol-Polizisten Brian D. Sicknick, zu Tode kamen. Trotz dieser Gewalt behauptete das Weiße Haus, dass „keine Beamten ihr Leben verloren“ hätten, und wies die Verantwortung für die Sicherheitslücken den demokratischen Führern zu, insbesondere Nancy Pelosi. Diese wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dass sie Trump über drei Stunden lang aufgefordert habe, die Nationalgarde zu entsenden, was er nicht tat.

Politische Reaktionen und Ermittlungen

Die Reaktionen auf die Begnadigungen und den Sturm auf das Kapitol sind gespalten. Kritiker, darunter Juristen und Abgeordnete aus der Demokratischen Partei, haben Trump wegen seiner Entscheidungen attackiert. Mary McCord, eine frühere Bundesstaatsanwältin, bezeichnete die Begnadigungen als Teil von Trumps falscher Erzählung über die Ereignisse am 6. Jänner. Senator Ed Markey nannte die Begnadigungen eine Schande und eine Beleidigung des Justizsystems.

Unter den Opfern der Gewalt war auch Michael Fanone, ein Polizist, der während des Sturms verletzt wurde. Er äußerte, dass er sich von seinem Land verraten fühle, nachdem er vor einem Untersuchungsausschuss zum 6. Jänner ausgesagt hatte. Fanone und andere Polizisten, die vor dem Ausschuss aussagten, wurden von Ex-Präsident Biden präventiv begnadigt, was die Gemüter zusätzlich erhitzte.

Der langanhaltende Konflikt

Jack Smith, ein ehemaliger Sonderermittler, hatte festgestellt, dass Trump „mit Abstand“ die Hauptverantwortung für die Verschwörung trage. Diese Ermittlungen, die zu einem Verfahren gegen Trump führten, wurden jedoch nach seiner Wiederwahl 2024 eingestellt. Die verzweifelten anhaltenden Versuche, den Aufstand zu verharmlosen und die öffentliche Wahrnehmung der Ereignisse zu beeinflussen, werfen Schatten auf die amerikanische Demokratie.

Der Mehrheitsführer im Senat, John Thune, bezieht sich ebenfalls auf die Kontroversen, hat aber die Webseite, die die Begnadigungen firmiert, noch nicht gesehen. Mike Pence, der während des Angriffs im Kapitol war und evakuiert werden musste, verteidigte sein verfassungsgemäßes Handeln und sah sich der Bedrohung durch die aufgebrachte Menge ausgesetzt, die „Hängt Mike Pence!“ rief.

Die Debatte um die Verantwortung und die Erinnerungen an diesen entscheidenden Tag in der amerikanischen Geschichte wird sicherlich noch lange anhalten. Für viele bleibt der 6. Jänner ein symbolischer Angriff auf die Demokratie, dessen Nachwirkungen weiterhin spürbar sind.

Weitere Informationen hierzu finden Sie bei der Kleine Zeitung, der Tagesschau und dem Spiegel.