In der Karwoche, zwischen Gründonnerstag und Ostersonntag, ist das Ratschen in vielen katholischen Regionen Österreichs eine alte Tradition, die von zahlreichen Kindern aktiv gelebt wird. Heuer, am 5. April 2026, zeigen die Ratscherkinder in verschiedenen Gemeinden und Orten des Bezirks Waidhofen, wie lebendig dieser Brauch ist.
In Hohenau beispielsweise waren die Kinder Stefan Wanko, Anna Langsteiner, Samuel Longin, Veronika Preisinger, Jonatan Longin, Amelie und Samuel Gollob auf den Beinen. In Niederedlitz zogen Marlena und Julian Bauer sowie Hannah Starkl, Yvonne und Julia Russ, unter anderem, durch die Straßen und sorgten für den Erhalt dieser Tradition. Auch in Gastern, Kollmitzdörfl und vielen weiteren Orten des Bezirks war die Freude am Ratschen spürbar.
Die Tradition des Ratschen
Das Ratschen ist ein Brauch, der seinem Ursprung nach vermutlich auf hölzerne Gebetsanzeigetafeln zurückgeht und seit dem ausgehenden Mittelalter als „Ratschen“ bekannt ist. Die zentrale Rolle spielt dabei die Ratsche, ein Holzschrapinstrument, das die verstummten Kirchenglocken während der Karwoche ersetzt. Tatsächlich dürfen die Glocken von Gründonnerstag bis Ostern nicht läuten, um die Grabesruhe Jesu zu symbolisieren, weshalb die Kinder um 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr mit ihren Ratschen durch die Gemeinden ziehen, um die Glocken zu ersetzen. Oftmals sind es Ministranten, Pfadfinder oder Mitglieder der Jungschar, die das Ratschen durchführen, wobei viele Kinder auch Sprüche rufen, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu gewinnen. Ein bekannter Spruch hierbei lautet: „Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß.“ Die Sprüche variieren je nach Region und werden oft von älteren Kindern oder Erwachsenen weitergegeben.
In Eggersdorf beispielsweise kamen die Ratscher zwischen Gründonnerstag und Karsamstag zusammen, um die Glocken zu ersetzen. In Rossa zogen seltsame Namen wie Selina Gererstorfer und Nora Strobl mit ihren Ratschen von Haus zu Haus. In Waldreichs waren die Ratscher in zwei Gruppen unterwegs und veranstalteten ein lebhaftes Treiben in der Gemeinde.
Gemeinschaftlicher Brauch und kulturelles Erbe
Ratschen verbindet nicht nur die Mitglieder der jeweiligen Gemeinden, sondern hat auch einen kulturellen und gemeinschaftlichen Wert. In der Heimatpflege wird der Brauch als immaterielles Kulturerbe betrachtet, seit er 2015 offiziell in das österreichische Verzeichnis der UNESCO aufgenommen wurde. Viele Kinder freuen sich nach dem Ratschen auf das „Absammeln“, bei dem sie kleine Geschenke wie Ostereier oder Süßigkeiten erhalten.
Die Tradition des Ratschen erstreckt sich nicht nur über Österreich, sondern auch auf angrenzende Regionen in Bayern, Italien, Slowenien und anderen Teilen Europas, was die kulturelle Verbundenheit zwischen diesen Ländern unterstreicht. Organisiert wird das Ratschen häufig von den örtlichen Kirchen oder Gemeindegruppen, so dass für kulturellen Austausch und Erlebnis gesorgt wird. Diese Form der Folklore ist nicht nur lebendig, sondern auch ein Zeichen für das Erbe, das unsere Vorfahren hinterlassen haben.
Die Resonanz und Begeisterung der Ratscherkinder in Waidhofen und den umliegenden Gemeinden sind ein lebendiges Zeugnis für die anhaltende Bedeutung und Freude, die dieser Brauch in der Karwoche mit sich bringt.