In Osttirol gibt es anhaltende Diskussionen über die Entwicklung und Transparenz im Tourismussektor. Wolfgang Steiner, ein Vermieter aus der Region, äußert in einem Leserbrief seine Bedenken bezüglich der mangelnden Publikation von Statistiken und Strategien durch den Tourismusverband (TVB) Osttirol. Laut Steiner fehlen grundlegende Informationen, die für die Verbesserung der Tourismusstrategie entscheidend wären. Aktuelle Statistiken aus dem Jahr 2024 belegen, dass Osttirol zwar über 18.940 Betten verfügt und damit den vierten Platz unter den 34 Tiroler TVBs einnimmt, bei der Anzahl der Nächtigungen jedoch nur den siebten Platz belegt. Besonders besorgniserregend ist die Bettenauslastung, die mit 114 Vollbelegungstagen den 29. Platz von 34 einnimmt, was den sechstschlechtesten Wert darstellt. Im Vergleich dazu hat das Ötztal 145 Vollbelegungstage vorzuweisen.

Die anhaltend geringe Auslastung zeigt sich auch im Vergleich mit anderen renommierten Skigebieten wie St. Anton, das 107 Vollbelegungstage aufweist. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Osttirol unter dem Durchschnitt von 129 Vollbelegungstagen liegt. Steiner fordert daher eine gründliche Analyse und die Veröffentlichung relevanter Zahlen, um der stagnierenden Entwicklung im Tourismus entgegenzuwirken. Er kritisiert die seit 30 Jahren bestehende Strategie des TVB, welche zu gleichbleibend schlechten Ergebnissen führt und betont, dass die touristische Infrastruktur zunehmend von privaten Anbietern aufrechterhalten werden muss.

Positive Trends im Sommer 2025

<pTrotz der kritischen Stimmen aus der Branche gibt es auch positive Nachrichten aus Osttirol. Die Nächtigungszahlen für die Monate Mai bis Juli 2025 zeigen einen leichten Anstieg. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Nächtigungen um 1,18 Prozent, während die Ankünfte um 2,76 Prozent zunahmen. Damit belegt Osttirol den dritten Rang unter den 34 Tiroler Tourismusregionen, hinter Innsbruck und dem Ötztal. In den ersten drei Sommermonaten verzeichnete die Region 179.068 Ankünfte und 591.444 Übernachtungen.

In der Analyse gab es jedoch Unterschiede: Während der Mai 2025 mit einem Rückgang von 17,2 Prozent an Nächtigungen zu kämpfen hatte, konnte der Juni mit einem Zuwachs von 20,1 Prozent und einem neuen Rekord von fast 195.000 Nächtigungen glänzen. Auch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt mit 3,3 Tagen im Rahmen der Erwartungen. Stark frequentiert wurde der Nationalparkregion Hohe Tauern mit insgesamt 180.302 Nächtigungen. Die Ferienregion Lienzer Dolomiten und die Ferienregion Hochpustertal folgen mit 179.325 und 166.373 Nächtigungen.

Die Herausforderungen der Tourismusintensität

Ein zentraler Punkt bleibt weiterhin die Tourismusintensität, die die Anzahl der Nächtigungen je Einwohner misst. Hier verzeichnet Osttirol 44 Nächtigungen pro Einwohner, während das Ötztal mit 211 Nächtigungen pro Einwohner deutlich höher liegt. Steiner warnt eindringlich vor dem konzeptlosen Verbrauch von Geldern und dem drohenden Verlust von Fachleuten aus der Branche. Der TVB könnte durch eine transparentere Kommunikation der Zahlen und Strategien letztlich die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus in Osttirol schaffen.

Die jüngsten Zahlen zum Tourismus vor Ort untermauern die Dringlichkeit dieser Anforderungen. Im Jänner 2026 konnten insgesamt 50.058 Ankünfte und 228.192 Nächtigungen verzeichnet werden, was einem Zuwachs von 15,2 Prozent bei den Ankünften und 3,9 Prozent bei den Nächtigungen im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Entwicklung zeigt zwar Fortschritte, doch bleibt abzuwarten, wie Osttirol auf die genannten Herausforderungen reagieren wird.

Die Diskussion über die Zukunft des Tourismus in Osttirol ist damit aktueller denn je. Ein starkes Fundament an Daten und strategischer Planung könnte helfen, die Region in der Tiroler Tourismuslandschaft besser zu positionieren und die Abwanderung von Fachkräften sowie den Rückgang an Nächtigungen langfristig zu stoppen.

Für weitere Informationen zu den Zahlen und Trends im Tiroler Tourismus siehe auch die Dolomitenstadt, Osttirol Heute und Statistik Tirol.