Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat sich am 16. März 2026 eindeutig für gesetzliche Maßnahmen gegen unlautere Praktiken im Lebensmitteleinzelhandel ausgesprochen. Er kritisiert insbesondere den Druck, der auf Produzenten ausgeübt wird, wenn es um Rabattaktionen geht. Oftmals tragen die Lieferanten die Kosten für diese Aktionen, was Totschnig als untragbar erachtet. Er fordert ein Umdenken und eine Überarbeitung der EU-Richtlinie, die die Grundlage für das geplante Faire-Wettbewerbsbedingungen-Gesetz (FWBG) bilden soll. Laut Dolomitenstadt steht die Praxis, Lieferanten für Rabatte aufkommen zu lassen, auf der „Grauen Liste“ der EU.
Die Problematik wird von Doris Hold vom „Fairnessbüro“ unterstrichen, die darauf hinweist, dass die Zustimmung der Lieferanten häufig erzwungen wird. Diese Vereinbarungen sollten jedoch auf Augenhöhe getroffen werden, um die Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe besser zu schützen. Viele Konsumenten sind sich nicht bewusst, dass die Rabattaktionen, die sie in Geschäften sehen, oft durch die Lieferanten finanziert werden und somit die Produzenten in eine schwierige Lage bringen.
Die Marktmacht der Handelsketten
Die Marktmacht der großen Handelsketten in Österreich ist beunruhigend. Fast 90% des Lebensmittelmarktes werden von nur drei großen Ketten dominiert. Dies führt laut Totschnig zu harten Preisverhandlungen und einem starken Ungleichgewicht in der Lebensmittelkette. Im Jahr 2024 wurden über 800 Beschwerdefälle beim Fairness-Büro eingereicht, was die prekäre Lage der heimischen Betriebe unterstreicht. Diese Initiative, die 2022 gegründet wurde, bietet seit drei Jahren anonyme und kostenlose Hilfe für landwirtschaftliche Betriebe bei unfairen Handelspraktiken an, und hatte 2022 bereits 255 Beschwerden, im Vorjahr waren es 239.
Die Drucksituation für Produzenten zeigt sich besonders in den Bereichen der Frischeprodukte. In nur 65 Fällen konnten durch Mediation Lösungen gefunden werden. Auch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) arbeitet eng mit dem Fairness-Büro zusammen, was Verbesserungen bei den Bedingungen verspricht. Der Handelsverband hingegen betont, dass die Zusammenarbeit mit Lieferanten fair sei und dass negative Beispiele als nicht repräsentativ gelten sollten.
Forderungen nach Veränderungen
Totschnig fordert einen Dialog mit den Handelsketten, um die bestehenden Probleme anzugehen. Die Herausforderungen durch unfaire Praktiken gehen jedoch über die Rabattfragen hinaus. Laut einem Bericht von BMLUK steht insbesondere die Preisanpassung unter Druck: Handelsketten verweigern diese trotz steigender Produktionskosten, was zu einem Rückgang des Ertrags für die Produzenten führt.
Ein weiteres zentrales Thema sind die Eigenmarken, die oft künstlich günstig gehalten werden, was die Preise für Qualitätsprodukte drückt. Dies beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Produzenten erheblich. Totschnig sieht die Notwendigkeit, diese Strukturen zu reformieren und sich für faire Einkommensverhältnisse für die bäuerlichen Betriebe stark zu machen. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen hat ebenfalls die Dringlichkeit betont, unlauteren Handelspraktiken Einhalt zu gebieten und die Einkommen der Bäuerinnen und Bauern zu sichern.



