Am 4. März 2026 fand das Trendforum von Oesterreichs Energie statt, bei dem Vertreter:innen aus Energiewirtschaft, Industrie, Regulierung und Gewerkschaft über drängende Themen wie die Merit Order, Versorgungssicherheit und Markteingriffe diskutierten. Besonders im Fokus der Gespräche stand der politisch zunehmende Druck auf die Marktmechanismen der Energiewirtschaft. Die Veranstaltung wurde von Manuela Raidl moderiert und brachte wichtige Akteure zusammen, darunter Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie und CEO von Verbund, sowie weitere namhafte Expert:innen.

Strugl betonte in seinen Ausführungen, dass Preissignale in Mangellagen keineswegs ein Indiz für Marktversagen seien. Er plädierte dafür, staatliche Eingriffe in die Preisbildung nur effizient, befristet und zielgenau zu gestalten. Ferner machte er deutlich, dass Europa einen dringend höheren Anteil an eigener Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen benötigt. Diese Aussage steht im Einklang mit dem Merit-Order-Prinzip, das die Nutzung von Stromerzeugungsquellen regelt und sicherstellt, dass zunächst die günstigsten Quellen verwendet werden. Bei steigendem Strombedarf müssen auch teurere Kraftwerke aktiviert werden, was zur Erhöhung der Preise am Spotmarkt führt. ENBW erklärt, dass der Preis am Spotmarkt durch das „Grenzkraftwerk“ bestimmt wird, das zuletzt benötigt wird, um den Strombedarf zu decken.

Diskussion über Investitionsanreize

In diesen hochaktuellen Gesprächen wurde auch die Notwendigkeit milliardenschwerer Investitionen in die Stromerzeugung, Netze und Speicher angesprochen. Lion Hirth, Energieökonom an der Hertie School in Berlin, warnte vor den Risiken, die von Eingriffen in die Preisbildung ausgehen können. Laut Hirth erhöht dies die Risiken für die Versorgungssicherheit und könnte fiskalische Belastungen zur Folge haben. Patricia Neumann von Siemens AG Österreich führte weiter aus, dass Energie ein zentraler Wettbewerbsfaktor ist und eine gemeinsame Linie für Investitionen erforderlich sei.

Karina Knaus von Acer unterstrich die Vorteile des integrierten europäischen Strombinnenmarkts. Sie verwies auf den gesamtwirtschaftlichen Nutzen des grenzüberschreitenden Stromhandels, der pro Jahr etwa 34 Milliarden Euro beträgt. Diese positiven Aspekte sollten nicht übersehen werden, auch wenn die Frage der Leistbarkeit von Energie immer mehr in den Vordergrund rückt. Barbara Teiber von der Gewerkschaft GPA stellte fest, dass hohe Energiepreise sowohl die Inflation als auch die Wettbewerbsfähigkeit belasten und eine gesetzliche Verankerung des öffentlichen Interesses an niedrigen Energiepreisen erforderlich sei.

Marktdesign und Strompreise im internationalen Kontext

Barbara Schmidt von Oesterreichs Energie sprach sich für die Beibehaltung des bestehenden Marktdesigns aus. Österreich liegt im europäischen Vergleich mit seinen Strompreisen im Mittelfeld. Diese Stellung ist besonders bemerkenswert, wenn man die Entwicklung auf dem internationalen Strommarkt betrachtet. In Deutschland beispielsweise lag die Netto-Nennleistung der Stromerzeugung im Jahr 2024 bei 254,8 GW, wobei erneuerbare Energien einen Anteil von 178,1 GW ausmachten. Faktoren wie der Ausbau der erneuerbaren Energien, über 9 GW neue Anlagen im ersten Halbjahr 2024, und der wachsende Einsatz von Wind- und Solarenergie machen deutlich, dass es eine internationale Veränderung hin zu umweltfreundlicheren Energiequellen gibt.

Summarisch zeigt sich, dass die Diskussion um die Merit Order und staatliche Eingriffe in den Strommarkt von entscheidender Bedeutung für die zukünftige Energieversorgung in Europa ist. Die Herausforderungen einer effizienten und gleichzeitig sozial ausgewogenen Energiepolitik bleiben bestehen, während der Druck für notwendige Investitionen und einfachere Marktmechanismen wächst. Ein transparenter und stabiler europäischer Energiemarkt könnte in diesem Zusammenhang Schlüssel zur Lösung vieler aktueller Probleme sein. Bundeswirtschaftsministerium betont, dass der Stromaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern zunehmend an Bedeutung gewinnen und zur Stabilität der Energiemärkte beitragen können.