Im Baskenland wird derzeit ein politisches Tauziehen um das berühmte Gemälde „Guernica“ von Pablo Picasso geführt. Die Nationalisten (PNV) planen, das Kunstwerk vom 1. Oktober 2023 bis zum 30. Juni 2027 im Guggenheim-Museum in Bilbao auszustellen. Anlass für diese Feierlichkeiten ist der 90. Jahrestag der ersten baskischen Regierung sowie der Bombardierung Guernicas durch die deutsche Luftwaffe am 26. April 1937. Dieses Ereignis gilt als eine der größten Gräueltaten des spanischen Bürgerkriegs und war der erste gezielte Angriff auf die Zivilbevölkerung in der Geschichte, unterstützt durch die Legion Condor und italienische Faschisten.
Picasso schuf „Guernica“ 1937 als direkte Reaktion auf diese Zerstörung, und das Gemälde selbst wird als eines der bedeutendsten Antikriegsbilder der Kunstgeschichte angesehen. Es ist ein Symbol der baskischen Unabhängigkeit und Identität und wird oft als „heilige Stadt der Basken“ bezeichnet. Der baskische Präsident Imanol Pradales hat in der Vergangenheit den spanischen Regierungschef um die Verlegung des Gemäldes ins Baskenland gebeten. Doch dieser Wunsch stößt auf Widerstand: Spaniens konservative Parteien und die Vox-Partei lehnen die Rückführung ab und argumentieren, dass „Guernica“ allen Spaniern gehöre.
Ein Widerstand gegen die Rückführung
Ministerpräsident Pedro Sánchez verwies darauf, dass das Kulturministerium bereits erklärt hat, das Gemälde nicht zu gefährden. Experten des Reina Sofía Museums raten von einer Verlegung ab, da ein Transport erhebliche Schäden am Kunstwerk verursachen könnte. Das Gemälde befindet sich seit 1992 im Museo Reina Sofía in Madrid, nachdem es 1981 aus dem Museum of Modern Art in New York zurückgekehrt war. Ursprünglich wurde es für den spanischen Pavillon der Weltausstellung in Paris konzipiert, geriet jedoch während seiner Reisen durch Nordeuropa und die USA in den Fokus des politischen Interesses.
Die baskischen Nationalisten planen, einen neuen Antrag im Senat einzureichen, um die Bedingungen für einen Transport des Gemäldes zu analysieren. Es bleibt jedoch ungewiss, ob „Guernica“ tatsächlich im Oktober 2023 ins Baskenland verlegt wird, da die Wahrscheinlichkeit als gering eingestuft wird.
Das Erbe von Guernica
„Guernica“ ist nicht nur ein bedeutendes Kunstwerk, sondern auch ein Mahnmal gegen den Krieg. Es wird als Ausdruck der Grausamkeiten des Krieges betrachtet und enthält Elemente, die tief in der christlichen Ikonographie verwurzelt sind. Die Darstellung von Flammen, gebrochenen Schwert und brennenden Frauen symbolisieren das Leid und die Opfer des Luftangriffs. Picasso, der enge Kontakte zu politisch engagierten Intellektuellen in Barcelona und Paris pflegte, war tief betroffen von den Gräueltaten, die während des Bürgerkriegs geschehen sind. Wikipedia berichtet, dass er seine ursprüngliche Idee verworfen hat, um das Leiden der Zivilbevölkerung in einem monumentalen Wandbild zu verarbeiten.
Dank dieser bedeutenden Geschichte hat „Guernica“ einen bleibenden Eindruck hinterlassen und bleibt nicht nur ein Kunstwerk von großer Bedeutung, sondern auch eine politische Anklage gegen die Verbrechen des Krieges. Der neue Ausstellungszyklus im Reina Sofía Museum stellt Werke anderer Künstler im Dialog mit „Guernica“ aus, etwa „African Guernica“ von Dumile Feni, das bis zum 22. September 2023 zu sehen ist und sich mit den Schrecken des Apartheid-Regimes in Südafrika auseinandersetzt.
„Guernica“ bleibt somit ein starkes Symbol sowohl für die baskische Identität als auch für den universellen Kampf gegen Krieg und Ungerechtigkeit.Kleine Zeitung und arsmundi informieren darüber, dass der Zustand des Gemäldes bedenklich ist und es mehrfach restauriert wurde, um es in der Gegenwart zu bewahren.