In einem aktuellen Interview hebt STRABAG-CEO Stefan Kratochwill die zentrale Rolle von Infrastruktur und der Energiewende als Wachstumstreiber für das Unternehmen hervor. Mit einer Gesamtleistung von rund 20,4 Milliarden Euro im Jahr 2025, was einem Anstieg um etwa sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, zeigt STRABAG eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Insbesondere betont Kratochwill, dass klare Rahmenbedingungen für serielles Bauen notwendig sind, um die Herausforderungen im Wohnbau zu meistern und leistbaren Wohnraum zu schaffen. Der Wohnbau in Europa leidet unter Stagnation, während Energie- und Mobilitätsprojekte stark zulegen.
STRABAG sieht sich trotz der Herausforderungen im Bauwesen als ein technologiegetriebenes Infrastruktur-Dienstleistungsunternehmen. Über 80 Prozent des Kerngeschäfts basieren nach wie vor auf Bauleistungen, und das Unternehmen setzt verstärkt auf innovative Lösungen wie das serielle Baukonzept TETRIQX. Diese Entwicklungen stehen im Einklang mit einem breiteren Trend, der von Commerz Real als zentraler Aspekt zur Schaffung nachhaltiger Lebenswelten betrachtet wird. Infrastruktur verbindet zudem essentielle Themen wie Energieversorgung, Stadtentwicklung und Wohlstandssicherung.
Strategische Neuausrichtung und Marktchancen
Insbesondere in Deutschland wird ein hoher Investitionsbedarf im Bereich Infrastruktur festgestellt, der für STRABAG viele Möglichkeiten bietet. Die Übernahme des Unternehmens Georgiou in Australien hat das internationale Geschäft stärkt und bietet zusätzliche Chancen für das Wachstum des Unternehmens. Kratochwill fordert jedoch auch eine Vereinfachung und Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsprozessen, die derzeit oft hemmend auf den Fortschritt wirken. Diese Herausforderungen sind auch Teil eines umfassenderen Trends, den das Umweltbundesamt beobachtet hat, seit die Bundesregierung 2002 die Flächenneuinanspruchnahme reduzieren wollte.
Der Fokus auf nachhaltige Stadtentwicklung wird durch die Notwendigkeit verstärkt, flächensparend zu bauen und die Innenentwicklung zu fördern. Dazu zählen Maßnahmen wie die Nachverdichtung und die Wieder- oder Umnutzung brachliegender Flächen. Stadtzentren gewinnen an Bedeutung, vor allem in großen Städten, was eine positive Konsequenz aus dem demografischen Wandel darstellt.
Die Zukunft der urbanen Entwicklung
Die Vorteile einer stärkeren Siedlungsentwicklung in Stadtzentren sind klar: Sie fördern die Infrastrukturentwicklung, verbessern die Mobilität und tragen zum Umweltschutz bei. Dennoch stehen Städte vor der Herausforderung, hohe bauliche Dichte mit hoher Aufenthaltsqualität zu verbinden. Es ist unerlässlich, die Entwicklung kompakter und gemischter Siedlungsstrukturen voranzutreiben, um die Lebensqualität zu erhöhen.
In der aktuellen Diskussionslage wird auch die Re-Urbanisierung thematisiert, die durch Wachstum bei stadtorientierten Dienstleistungen und veränderte Konsumpräferenzen geprägt ist. Ein konsistentes Leitbild für nachhaltige Stadtentwicklung, wie die Leipzig Charta, ist hierbei von zentraler Bedeutung. Damit wird die klare Richtung vorgegeben, um die urbanen Lebensräume zukunftssicher und lebenswert zu gestalten und gleichzeitig den Flächenverbrauch zu minimieren sowie die sozialen Strukturen zu stärken.
Der Weg in eine nachhaltige Zukunft erfordert sowohl den Einsatz neuer Technologien als auch eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren in der Bau- und Stadtentwicklungsbranche. Mit einem strategischen Fokus auf Infrastruktur kann eine positive Wende in der gegenwärtigen Bauwirtschaft herbeigeführt werden.