Seit dem 1. Jänner 2026 sind Damenhygieneartikel in Österreich von der Umsatzsteuer befreit. Diese Maßnahme soll Frauen finanziell entlasten und den Zugang zu Hygieneprodukten erleichtern. Doch eine aktuelle Analyse der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich zeigt, dass viele Händler diese Entlastung nicht an die Verbraucherinnen weitergeben. Im Gegenteil, in vielen Fällen sind die Preise erhöht worden.

Die Marktforscher der AK beobachteten von Februar 2025 bis zum aktuellen Zeitpunkt die Preisentwicklung von Binden und Tampons bei führenden Händlern wie DM, Bipa, Müller, Spar, Billa und Hofer. Wie 5min berichtet, haben zahlreiche Anbieter die Preise erhöht, anstatt die Steuererleichterungen direkt an die Konsumentinnen weiterzugeben. So senkte Spar beispielsweise die Preise nur um 10 Prozent, nachdem er diesen im Jänner um 24,4 Prozent erhöht hatte. Auch Bipa hat bei vier von acht Produkten die Preise angehoben, um sie Ende Dezember zwar zu senken, jedoch im Jänner wieder zu erhöhen.

Preisentwicklung im Detail

Die Analyse zeigt jedoch auch positive Ansätze. DM senkte seine Preise zwischen 8,9 und 24 Prozent, wobei nur eine Großpackung teurer wurde. Müller reduzierte die Preise ebenfalls um 9,3 bis 24 Prozent, während Billa einen Preis um 5,3 Prozent anhob, gefolgt von einer Senkung um 9 Prozent im Jänner, was insgesamt nur zu einer minimalen Preissenkung von 4,2 Prozent führte. Bei Rewe Deutschland blieben die Preise komplett stabil. Hofer hingegen kann nicht bewertet werden, da die Artikel dort 2025 aus dem Sortiment genommen wurden.

In Anbetracht dieser Entwicklungen fordert die AK Oberösterreich eine stärkere Überwachung durch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Die bestehenden Empfehlungen der BWB sollten nicht nur unverbindlich bleiben, sondern auch Maßnahmen gegen Wettbewerbsstörungen umfassen. Zudem wird eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Preisvergleichsplattformen empfohlen, um Transparenz für Verbraucher zu schaffen.

Der Hintergrund der Steuerentlastung

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Binden und Tampons auf 0 Prozent trat nicht ohne vorherige Debatte in Kraft. Bereits 2020 wurde die Steuer auf Damenhygieneartikel vermindert, um Frauen finanziell zu entlasten und den Zugang zu den wichtigen Produkten zu erleichtern. Laut einer Studie des Münchner ifo-Instituts werden jedoch indirekt auch Frauen, die Slipeinlagen nutzen, benachteiligt. Der Mehrwertsteuersatz auf Slipeinlagen blieb weiterhin bei 19 Prozent, da diese Produkte nicht ausschließlich zur Menstruation verwendet werden. Diese Preiserhöhungen bei Slipeinlagen könnten die Entlastung für Frauen verringern, da deren Preise um 10 Prozent stiegen, kurz nach der Steuererleichterung.

Die Steuersenkung für Damenhygieneprodukte ist das Ergebnis einer langjährigen Diskussion und zahlreicher Petitionen, die von zehntausenden Menschen unterstützt wurden. Für viele Frauen sind Tampons und Binden essentielle Produkte, die zum Grundbedarf gehören. Es ist bemerkenswert, dass Schottland 2022 für seine Initiative gefeiert wurde, ein Recht auf kostenlose Hygieneartikel einzuführen, was in Bildungseinrichtungen und Stadtverwaltungen umgesetzt wird.

Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig äußerte sich kritisch zu den unzureichenden Preisanpassungen bei Bipa und Billa, wodurch die positive Wirkung der Steuerentlastung für Damenhygieneartikel stark gemindert wird. Es bleibt abzuwarten, ob die zukünftigen Maßnahmen der BWB zu einer spürbaren Entlastung der Verbraucherinnen führen werden.