Das Gesundheitssystem in der Steiermark steht unter erheblichem Druck. Eine aktuelle Erhebung des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) zeigt, dass nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung mit einer spürbaren Verbesserung ihrer Gesundheit im laufenden Jahr rechnet. Die Mehrheit der Befragten geht von keiner Veränderung aus, und eine beachtliche Anzahl befürchtet sogar eine Verschlechterung. Insbesondere die Skepsis der Steirer ist bemerkenswert, da diese Region im Vergleich zum österreichweiten Durchschnitt besonders niedrig abschneidet. Das Vertrauen in positive Entwicklungen des Gesundheitssystems ist stark erschüttert, was die Herausforderungen verdeutlicht, mit denen das steirische Gesundheitswesen konfrontiert ist, einschließlich Personalmangel und Pflegefragen, wie cgm.com berichtet.
Etwa jeder zweite Befragte gibt an, täglich Arzneimittel einzunehmen, wobei diese Zahl mit zunehmendem Alter steigt. Vor allem die Generation 60 Plus ist stark auf Medikamente angewiesen. Die Mehrheit der eingenommenen Präparate ist verschreibungspflichtig, was auf eine wachsende Abhängigkeit von medizinischen Dauerbehandlungen hinweist. Darüber hinaus stellt sich in Tirol eine ähnliche Situation dar, wo trotz des einst starken Rufs einer soliden medizinischen Versorgung ebenfalls Spannungen im Gesundheitssystem erkennbar sind. Die Gesundheitsberatungs-Hotline 1450 sollte eine erste Anlaufstelle bieten, doch im Hintergrund fehlen adäquate Strukturen für schnelle Reaktionen.
Wachsende Herausforderungen im Gesundheitswesen
Zu den drängendsten Herausforderungen im steirischen Gesundheitssystem gehört der Personalmangel. Der Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) hat betont, dass eine verstärkte Kommunikation über Gesundheitsmaßnahmen notwendig sei. Die neue blau-schwarze Koalition plant drastische Reformen, um die Situation zu verbessern. So sieht das Regierungsprogramm vor, den Bau eines umstrittenen Leitspitals in Stainach-Pürgg zu vertagen und stattdessen einen Plan B für den Ausbau eines bestehenden Spitals zu entwickeln. Im ersten Halbjahr 2024 soll ein entsprechendes Konzept mit Experten ausgearbeitet werden.
Um die prekäre Personalsituation zu entschärfen, wurden bereits über 200 Millionen Euro in Gehaltspakete investiert. Allerdings zeigt die hohe Teilzeitquote in der Pflege (über 50 % in KAGes-Spitälern), dass zusätzliche Maßnahmen zur Aufstockung nötig sind. Ein ausgeglichener Ansatz wird als erforderlich erachtet, um die Patientenlenkung zu verbessern, da niedergelassene Ärzte immer weniger in der Lage sind, die Patientenströme umfassend zu bewältigen.
Innovationen für eine nachhaltige Lösung
Um dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen entgegenzuwirken, haben viele Unternehmen bereits begonnen, Gehälter zu erhöhen. Laut ey.com sind monetäre Anreize jedoch nicht ausreichend. Es bedarf ganzheitlicher Strategien, die strukturelle Transformationen, Investitionen in die Ausbildung und Reformen der Anerkennungsverfahren umfassen. Gleichzeitig wird die Notwendigkeit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen betont, einschließlich der Entwicklung individueller Arbeitszeitmodelle, um die Attraktivität der Berufe im Gesundheitswesen zu steigern.
Die zunehmende Teilzeitarbeit erfordert neue Modelle der Arbeitsgestaltung. Anstelle von Rekrutierungen wird die Bindung bestehender Mitarbeiter als effizienter angesehen. Ein strategisches Personalmanagement, das auf die Bedürfnisse und Zufriedenheit der Mitarbeiter fokussiert ist, ist entscheidend, um die Gesundheitsversorgung langfristig sicherzustellen. Die Integration neuer Technologien, wie Künstliche Intelligenz, soll zudem dazu beitragen, bestehende Prozesse zu optimieren und die Arbeitslast zu reduzieren.
Dieser umfassende Blick auf die Herausforderungen und Chancen im steirischen Gesundheitssystem verdeutlicht die Notwendigkeit einer schnellen und effektiven Reform. Der Umgang mit dem zunehmenden Druck erfordert sowohl innovative Lösungen als auch eine verstärkte Zusammenarbeit auf allen Ebenen.