Die Diskussion um das Schminken der Sternsinger nimmt immer mehr Fahrt auf, insbesondere in Österreich, wo die Dreikönigsaktion nun empfiehlt, auf das Anmalen von Hautfarben zu verzichten. Diese Empfehlung wurde als Reaktion auf die wachsende Kritik formuliert, da viele Menschen das Schminken als irritierend und störend empfinden. Die Dreikönigsaktion erkennt an, dass die Verbindung von Hautfarbe und Kontinenten überholt ist, und stellt fest, dass das traditionelle Schminken nicht mit „Blackfacing“ gleichzusetzen ist, obwohl es in der Öffentlichkeit häufig so interpretiert wird. Diese Entwicklung steht im Mittelpunkt einer heftigen Debatte über Tradition und gesellschaftlichen Wandel.
Am 6. Jänner 2026 traten bei der Dreikönigsmesse in Donnersbach geschminkte Sternsinger auf, die die Heiligen Drei Könige darstellten. Diese Darbietung, die live auf ORF 3 und Radio Steiermark übertragen wurde, rief Irritationen und Kritik hervor. Der Österreichische Rundfunk betont, dass Rassismus in seinen Angeboten keinen Platz hat, verweist jedoch auf die Autonomie der jeweiligen Pfarren in der Gestaltung ihrer Gottesdienste. In der Stadt Mürzzuschlag zogen 85 geschminkte Sternsinger von Haus zu Haus, um den „Zusammenhalt über Regionen hinweg“ zu demonstrieren, trotz der bestehenden Empfehlungen.
Traditionelle Praktiken im Fokus
In Mürzzuschlag, wo die knapp 85 Sternsinger weiterhin mit schwarz, rot und gelb geschminktem Gesicht auftreten, sind die Meinungen über das Schminken gespalten. Während einige Hauseigentümer diese Tradition unterstützen und nur geschminkte Gruppen empfangen, gibt es auch Stimmen, die eine Abkehr von dieser Praxis als notwendig erachten. Die Sternsinger sammeln Spenden für Kinderprojekte in Not leidenden Ländern und repräsentieren traditionell die damals bekannten Erdteile.
Der Vorwurf des Blackfacings, insbesondere in Deutschland und Österreich, hat die Diskussion um die Schminktradition weiter angeheizt. Das deutsche Kindermissionswerk und andere kirchliche Institutionen empfehlen eine klare Abkehr vom Schminken, da die moderne Lesart der Hautfarbe nicht mehr mit den geographischen Vorstellungen aus der Vergangenheit korrespondiert. Dieser Wandel zeigt Spannungen zwischen den konservativen Werten der Tradition und den Forderungen nach mehr Sensibilität und Diversität in der heutigen Gesellschaft auf.
Kritik an der Schminkpraxis
Kritische Stimmen, insbesondere von Afrodeutschen und anderen People of Colour, haben diese Praxis als verletzend bezeichnet. Sie argumentieren, dass die Diskussion um das Schminken nicht von der weißen Mehrheitsgesellschaft entschieden werden sollte. Während einige Pfarrer in Baden-Württemberg das Schminken als Teil einer Willkommenskultur verteidigen und als nicht rassistisch ansehen, unterstützen andere die Empfehlung, das Schminken aus den Traditionen zu entfernen.
Die Debatte um das Schminken der Sternsinger verdeutlicht, dass sich Traditionen im Angesicht gesellschaftlicher Wandlungen kritisch hinterfragt werden müssen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich diese Praktiken in Zukunft entwickeln werden, insbesondere im Kontext des anhaltenden Dialogs über Rassismus und kulturelle Sensibilität.