Die Grazer Burg, ein historisches Symbol der Steiermark und Sitz der Landesregierung, hat kürzlich bedeutende Fortschritte im Rahmen ihres umfassenden Revitalisierungsprojekts gemacht. Dieses ehrgeizige Vorhaben, das nach dem Beschluss der steiermärkischen Landesregierung im Jahr 2021 ins Leben gerufen wurde, zielt darauf ab, die Geschichte der Burg neu erlebbar zu machen. Die ersten Bauarbeiten starteten am 6. Juni 2025, und seither wurden bereits wesentliche Meilensteine erreicht, die von Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen begleitet werden.
Eine der größten Herausforderungen war der Austausch einer Sandsteinsäule in der Einsäulenhalle, die das gotische Gewölbe im Kellerbereich seit dem 15. Jahrhundert trägt. Diese Säule war durch aufsteigende Feuchtigkeit stark verwittert. Der Austausch erforderte bemerkenswerte technische Präzision, da das Gewölbe und die darüber liegende Last von rund 200 Tonnen um etwa drei Millimeter angehoben und anschließend wieder gesenkt werden mussten. Am Donnerstag wurde nach etwa dreitägiger Arbeit der letzte Stein der neuen Säule eingesetzt, was ein bedeutender Schritt im Revitalisierungsprozess darstellt.
Erhalt und Zugänglichkeit historischer Elemente
Die Revitalisierung umfasst nicht nur die Erneuerung von tragenden Strukturen, sondern auch die Rückführung bedeutender historischer Elemente in ihren ursprünglichen Zustand. So wurde die ehemalige Doppelchorkapelle von Kaiser Friedrich III. wiederhergestellt, indem eine eingezogene Zwischendecke entfernt wurde. Zukünftig wird diese Kapelle für die Öffentlichkeit zugänglich sein und dank ihrer verbesserten Akustik auch für musikalische Zwecke nutzbar gemacht werden. Landeshauptmann Mario Kunasek betont die Bedeutung dieser Maßnahmen für die Erlebbarkeit der Geschichte, während seine Stellvertreterin Manuela Khom die Notwendigkeit der Erhaltung dieses kulturellen Erbes hervorhebt.
Während der Bauarbeiten bleibt die Grazer Burg für Besucher zugänglich, allerdings sind temporäre Einschränkungen zu erwarten. Historische Elemente wie die Doppelwendeltreppe, Skulpturen sowie Ehren-denkmäler im 2. Burghof werden weiterhin einsehbar sein, sofern die Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigt werden. Vier Büsten der Ehrengalerie müssen abgebaut und bis zur Fertigstellung vorübergehend eingelagert werden. Gäste haben während der Arbeiten auch Zugang zum Burggarten, jedoch nur über das Tor in der Erzherzog-Johann-Allee, das von Montag bis Freitag geöffnet ist.
Zukunftsperspektiven und Gesamtfertigstellung
Das gesamte Revitalisierungsprojekt wird auf rund 30 Millionen Euro geschätzt, wobei der Bund sich mit einer 50-prozentigen Beteiligung an den Kosten beteiligt. Die Projektleiter beabsichtigen, bis spätestens 2028 alle Arbeiten abzuschließen. In den kommenden Jahren sind umfassende Sanierungsmaßnahmen in Bereichen wie der Renaissancehalle und der Burgkapelle geplant. Besonders hervorzuheben ist der geplante neue Brunnen im Burghof, der als modernes Symbol für die Grazer Stadtkrone beitragen wird.
Durch die Neugestaltung der Innenräume und die Entwicklung eines neuen Platzmusters soll eine visuelle Verbindung zu den historischen Räumen des Palas geschaffen werden, der ab 1440 erbaut wurde. Der Baubereich umfasst die Innenräume sowie Teile des 2. und 3. Burghofs. Der 1. Burghof wird vorübergehend als Lagerfläche genutzt werden, während gleichzeitig Dämmungsarbeiten durchgeführt werden.
Die Grazer Burg, die seit 1922 als Amtssitz des steirischen Landeshauptmanns und des Landeshauptmann-Stellvertreters dient und jahrhundertelang als Residenz und Verwaltungszentrum der Habsburger fungierte, wird durch diese Revitalisierung nicht nur für Historiker und Touristen von großem Interesse sein. Es soll auch eine neue Dimension der Regionalgeschichte und des kulturellen Erbes der Steiermark eröffnet werden.
Für weitere Informationen zur Grazer Burg und dem laufenden Revitalisierungsprojekt können die Berichte von Kleine Zeitung, Aktuelle Nachrichten und News Steiermark aufgerufen werden.

