Die beiden Unternehmen Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH sowie Wollsdorf International GmbH haben beim Landesgericht Graz Insolvenzanträge gestellt. Dies geschah am 9. Jänner 2026 aufgrund von Zahlungsunfähigkeit und insolvenzrechtlicher Überschuldung, wie vienna.at berichtet. Die Insolvenz betrifft 365 Dienstnehmer und etwa 660 Gläubiger. Beide Gesellschaften sehen sich mit negativen Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie konfrontiert, die maßgeblich zu dieser Situation beigetragen haben.

Die Wollsdorf-Gruppe hat ihre Hauptproduktionsstätte in Wollsdorf, Österreich, und ist spezialisiert auf die Herstellung von Autoleder, insbesondere Lenkrad-Lederbezügen, die 81 Prozent ihres Umsatzes ausmachen. Zudem umfasst das Portfolio Produkte wie Airbag-Leder und Instrumententafel-Leder. Trotz eines Reviews ihrer operativen Strukturen und einiger versuchter Sanierungsmaßnahmen, darunter auch Gespräche über eine Umstrukturierung mit Banken, mussten die Initiativen letztlich aufgegeben werden.

Hintergründe der Insolvenz

Die wiederholt gescheiterten außergerichtlichen Sanierungsbemühungen waren eine der Hauptursachen für den Insolvenzantrag. Laut kleinezeitung.at konnten die geforderten Eigentümerbeiträge nicht erbracht werden, was zur Aufkündigung der Restrukturierungsvereinbarung mit den Banken führte. Schließlich konnte das Umsatzniveau vor der Krise im Jahr 2024 nicht aufrechterhalten werden, obwohl es im Geschäftsjahr 2025 zu einer gewissen Erholung gekommen war.

Besondere Schwierigkeiten bereitete auch die Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei, die für Lieferengpässe sorgte. Dies führte zu einer prekären Lage der Unternehmen, da die Produktionsqualität betroffen war. Trotz der Probleme bei der Beschaffung konnte der Unternehmensbereich Möbelleder, der lediglich etwa 7 Prozent des Umsatzanteils ausmacht, nicht die gewünschten Gewinne erzielen.

Die Situation in der Automobilzulieferindustrie

Diese Herausforderungen sind Teil eines größeren Trends in der Automobilzulieferindustrie. Im ersten Halbjahr 2025 zählte Deutschland insgesamt 207 Großinsolvenzen, was einem Anstieg von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Branche ist stark durch Insolvenzen betroffen, insbesondere im Bereich der Zulieferer, wie braunschweiger-zeitung.de berichtet. Hier spielen die Abhängigkeit von Original Equipment Manufacturers (OEMs) sowie Umsatzrückgänge eine entscheidende Rolle.

Die Wollsdorf-Gruppe plant nun einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung. Der Sanierungsplan sieht eine Quote von 20 Prozent vor, die innerhalb von zwei Jahren nach Annahme des Plans zu zahlen ist. Diese Schritte sind notwendig, um die Fortführung der Unternehmen sicherzustellen und das Unternehmen für die Gläubiger zu sanieren.

Die Wollsdorf-Gruppe, die 1936 gegründet wurde und im Familienbesitz ist, muss nun auch mögliche Produktionsverlagerungen nach Mexiko in Betracht ziehen, um zukünftige gewinnbringende Produktionen gewährleisten zu können. Insolvenzverwalter werden prüfen, ob dies im Interesse der Gläubiger liegt und ob der Sanierungsplan realistisch eingehalten werden kann.