Ein bahnbrechendes Pilotprojekt zur Eindämmung der Asiatischen Tigermücke in Graz zeigt vielversprechende Ergebnisse. Ab Mitte August 2025 wurden über 800.000 sterile Mückenmännchen in einer Heimgartenanlage freigelassen. Ziel dieser Maßnahme war eine Markierungs-Freisetzungs-Wiederfang-Studie, um die Schlupfrate der Tigermücken-Eier zu reduzieren. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die Schlupfrate wurde um rund 70 Prozent gesenkt, von 0,66 auf 0,22 pro 100 Eier, was ein entscheidender Erfolg für die Bekämpfung dieser Plage ist. exxpress.at berichtet zudem von der Aufstellung von Lebendfallen, die gezeigt haben, dass bis zu 70 Prozent weniger Mücken in die Fallen gingen, nachdem die sterilen Männchen freigelassen wurden.

Die Asiatische Tigermücke, bekannt für ihr schwarz-weiß gemustertes Erscheinungsbild, hat sich in den letzten Jahren in Städten wie Graz etabliert. Diese Stechmücke ist tagsüber aktiv und da nur die Weibchen Blut zur Eiversorgung benötigen, stechen die freigesetzten Männchen nicht. Trotz apellierender Hinweise des Grazer Gesundheitsamts, stehende Gewässer regelmäßig zu entleeren, ist die Tigermücke in vielen Gärten zur Plage geworden.

Die Methode der Sterilen Insektentechnik

Anders als in vielen Regionen Europas, wo häufig Pestizide zur Bekämpfung eingesetzt werden, hat sich das Grazer Gesundheitsamt bewusst gegen diese Methode entschieden. Stattdessen setzt man auf die Sterile Insektentechnik (SIT), die bereits seit den 1950er-Jahren etabliert ist. Bei dieser Methode werden männliche Mücken mit Röntgen- oder Gammastrahlen sterilisiert und dann freigelassen. Diese Männchen sind nicht genetisch verändert, leben nur einige Tage bis Wochen und tragen nicht zur Vermehrung der Mückenpopulation bei. Wenn sie sich mit einheimischen Weibchen paaren, führen ihre Eier nicht zur Entwicklung neuer Larven und somit zu keiner weiteren Ausbreitung der Tigermücken.graz.at hebt hervor, dass die WHO solche alternativen Strategien fördert, um den Einsatz chemischer Insektizide zu minimieren.

Für die Anwendung der SIT-Methode wurde eine enge Kooperation mit der Abteilung für Naturschutz organisiert und von der IAEA, einer Organisation der Vereinten Nationen, unterstützt. Die Abteilung hat keinerlei Einwände gegen das Projekt erhoben, was die Akzeptanz der Maßnahme unterstreicht. Bei dieser Initiative wird zudem auf den Verzicht von Pestiziden geachtet, was der Umwelt zugutekommt.

Notwendigkeit schneller Maßnahmen

Um eine Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke zu verhindern, sind in betroffenen Bereichen schnelle und effektive Bekämpfungsmaßnahmen notwendig. Der Aufruf zur sofortigen Bekämpfung wird von Experten unterstrichen, da Wartemaßnahmen und das Abwarten auf behördliche Anordnungen wenig ratsam sind. Diese basieren oft nur auf dokumentierten Infektionen, weshalb ein proaktives Handeln entscheidend ist. apc-ag.de empfiehlt rechtzeitige Schritte zur Bekämpfung und Prävention durch Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung.

Insgesamt zeigt das Grazer Projekt, dass innovative Techniken wie die Sterile Insektentechnik einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung invasiver Arten leisten können, ohne auf schädliche Chemikalien zurückgreifen zu müssen. Dies könnte wegweisend für zukünftige Bekämpfungsstrategien zur Kontrolle von Mückenpopulationen in urbanen Gebieten sein.