In den letzten Wochen haben mehrere Supermarktketten in Österreich und Deutschland mit dem Einsatz von Robotern experimentiert, um die Effizienz zu steigern und das Verkaufspersonal zu entlasten. SPAR testet den Inventurroboter „Tally“ in zwei österreichischen Filialen, dem Wiener Eurospar und dem Interspar in Eisenstadt. Der akkubetriebene Roboter, der seit Anfang Juli im Einsatz ist, scannt die Regale zur Kontrolle des Warenbestands und soll gleichzeitig das Einkaufserlebnis verbessern. Mit einer Höhe von knapp zwei Metern führt „Tally“ mehrmals täglich Kontrollgänge durch und erstellt nach jeder Bestandsaufnahme einen detaillierten Report, der an die Mitarbeiter gesendet wird. Der Testbetrieb ist auf fünf Monate angelegt, wobei eine vierwöchige Einlernphase dem Vollbetrieb ab Mitte August vorausgeht und den gesamten Lebensmittelbereich umfasst.

Der Roboter ist mit mehreren Kameras ausgestattet, die eine Genauigkeit von 99 Prozent beim Scannen der Regale gewährleisten und bis zu zehnmal mehr Fehlbestände erkennen als manuelle Kontrollen. Diese Technologie optimiert nicht nur die Warenverfügbarkeit, sondern reduziert auch Fehler bei der Preisauszeichnung. Kosmo berichtet, dass SPAR nach der Testphase entscheiden wird, ob der Einsatz von „Tally“ verlängert oder ausgeweitet wird.

Erweiterte Perspektiven durch Robotereinsatz

Der Einsatz von Robotern in Supermärkten ist nicht auf Österreich beschränkt. Auch Kaufland hat neue Roboter getestet, die nachts die Regale erfassen. Saskia Bluhm von dmTech beschreibt die Daten, die durch diese Robotereinsätze gewonnen werden, als „spürbaren Mehrwert“. Dazu zählen schnellere Bestandskorrekturen, kürzere Artikelsuchzeiten und automatische Inventurzählungen. Die Vorteile aus der Datennutzung sprechen für einen breiteren Einsatz dieser Technologien im Einzelhandel, wie Chip berichtet.

Die Firma Simbe, die „Tally“ herstellt, ist auch in Europa aktiv und arbeitet mit großen Händlern wie BJ’s Wholesale Club und Albertsons in Amerika sowie Carrefour in der Türkei zusammen. In den letzten Monaten hat Simbe 50 Millionen US-Dollar in einer Finanzierungsrunde gesammelt, was auf das Wachstumspotenzial der Robotik im Einzelhandel hinweist. Diese Entwicklungen könnten möglicherweise auch in Deutschland mit dem Marktleiter Lars Gilke in einem Rewe-Markt aufgegriffen werden, wo Roboter Kunden aktiv bei der Produktsuche unterstützen.

Roboter und Personal im Supermarkt

Die Debatte über den Einsatz von Robotern im Einzelhandel bleibt jedoch umstritten. Professor Stephan Rüschen von der DHBW sieht Roboter als „maximal ein Gimmick“ und warnt, dass sie in Stoßzeiten im Weg stehen könnten. Der Handelsverband Deutschland betrachtet Roboter als potenzielle Hilfe bei Personalmangel, hat jedoch keine konkreten Zahlen zu deren Einsatz. Laut Tagesschau haben sich die Self-Checkout-Kassen im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland von 2021 bis 2023 mehr als verdoppelt, was zeigt, dass Händler zunehmend Automatismen integrieren, um trotz Personalmangel ihren Betrieb aufrechtzuerhalten.

Im ländlichen Raum firmenlose Supermärkte wie „Tante-M“ auf, die keine Verkaufspersonal beschäftigen und wo Kunden ausschließlich an Selbstbedienungskassen zahlen können. Dies könnte einen Trend hin zu einer verstärkten Automatisierung im Einzelhandel markieren, auch wenn Experten wie Rüschen betonen, dass unbemannte Läden nicht die Norm ersetzen werden, insbesondere nicht in großen Supermärkten.