Die Übernahme von ehemaligen Unimarkt-Filialen durch große Einzelhandelsketten führt derzeit zu intensiven Diskussionen im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) genehmigte kürzlich den Erwerb von 23 Unimarkt-Filialen durch die Spar-Gruppe. Während bei 17 dieser Standorte bestimmte Auflagen auferlegt wurden, konnten 6 Filialen ohne zusätzliche Bedingungen übernommen werden.
Spar verpflichtet sich, die 17 Auflagenfilialen langfristig, über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren, von selbstständigen Spar-Kaufleuten betreiben zu lassen, die eigene Entscheidungen hinsichtlich Preise und Sortiment treffen können. An sieben dieser Standorte verpflichtet sich Spar, in den nächsten 20 Jahren keine weiteren Lebensmitteleinzelhandelsstandorte in unmittelbarer Nähe zu erwerben, sofern sie unter den gesetzlichen Anmeldeschwellen liegen. Diese strategische Maßnahme soll dazu beitragen, die Nahversorgung in den betroffenen Regionen zu sichern.
Standorte der Übernahmen
Die betroffenen Filialen befinden sich in den Orten Adnet, Gallneukirchen, Graz/Waltendorf, Hellmonsödt, Kuchl, Sebersdorf und Steyr/Christkindl. Diese Maßnahmen werfen ein Schlaglicht auf die bereits hohe Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel, wie auch Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, betont. Er weist darauf hin, dass die Macht der großen Einzelhändler zulasten der Verbraucher zugenommen hat.
Bereits im September 2025 kündigte Unimarkt seinen Rückzug aus dem Markt an, was zur Schließung mehrerer Filialen führte. Gleichzeitig plant die Rewe-Gruppe die Übernahme von 21 weiteren Unimarkt-Standorten. Diese befinden sich in Oberösterreich, der Steiermark und Niederösterreich. Die Mehrheit dieser Filialen sollen als Adeg-Geschäfte betrieben werden, während einige in Billa- oder Penny-Filialen umgewandelt werden sollen.
Auswirkungen auf die Wettbewerbslandschaft
Die Entwicklungen rund um die Unimarkt-Filialen sind Teil eines größeren Trends, der die Struktur des Lebensmitteleinzelhandels in Österreich beeinflusst. Laut dem Sondergutachten der Monopolkommission stieg die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel erheblich an, wobei rund 85% des Marktes von vier großen Unternehmensgruppen kontrolliert werden. Diese Situation erfordert laut Duso dringend Maßnahmen, um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten und die Verbraucherinteressen zu schützen.
Die erneut gestiegenen Verbraucherpreise, die über einen längeren Zeitraum anhalten, sowie die ungleiche Verteilung zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen verstärken die Notwendigkeit für eine umfassendere Kontrolle der Wettbewerbsverhältnisse. Es ist evident, dass die Strukturen des Lebensmitteleinzelhandels nicht nur für die Marktakteure entscheidend sind, sondern auch für die Verbraucher, die unter den steigenden Preisen leiden.
Mit den laufenden Übernahmen und den noch offenen Fragen zur Zukunft der Unimarkt-Filialen ist die Entwicklung im Lebensmitteleinzelhandel sowohl für Brancheninsider als auch für Verbraucher von großem Interesse.