Wien Energie präsentiert sich als einer der konkurrenzfähigsten Stromanbieter in Österreich. Laut Krone zahlen die durchschnittlichen Haushalte in Wien jährlich 578 Euro für Strom, mit einer einjährigen Bindung sind es sogar nur 531 Euro. Diese Preise beinhalten allerdings nicht die Netzkosten und Abgaben. Im Vergleich zu anderen Anbietern befindet sich Wien im günstigen Mittelfeld. So liegt der billigste Tarif in Vorarlberg bei 441 Euro und in Tirol bei 436 Euro, während Energie Graz mit 751 Euro der teuerste Anbieter ist.

Die Mehrheit der Anbieter hat jährliche Preise im Bereich von 640 bis 690 Euro. In Kärnten und Salzburg sind die Preise mit 590 Euro vergleichbar und nahe am Wiener Angebot. Ein neuer „Österreich-Tarif“ des Verbund könnte jedoch Preisdruck auf andere Anbieter ausüben. Momentan bietet der Verbund Tarife für 689 Euro an, plant jedoch einen neuen Tarif von 467 Euro.

Sozialtarif für einkommensschwache Haushalte

Ein besonders wichtiger Schritt ist die Einführung eines Sozialtarifs, der ab dem 1. April 2026 in Kraft treten soll. Dieser soll die Stromkosten für einkommensschwache Haushalte auf durchschnittlich 232 Euro pro Jahr begrenzen. Schätzungen zufolge könnten etwa 250.000 Haushalte für diesen staatlich geförderten Strompreis in Frage kommen, insbesondere Mindestpensionisten, Sozialhilfebeziehende und Arbeitslose, die nach den Informationen von Tarife.at Anspruch haben.

Um für den Sozialtarif in Frage zu kommen, müssen Alleinstehende weniger als 1.426 Euro und Paare weniger als 2.251 Euro netto im Monat verdienen. Zusätzlich ist der Anspruch an eine Befreiung von der ORF-Gebühr gebunden. Der Tarif sieht einen Preis von 6 Cent netto pro kWh bis zu einer Grenze von 2.900 kWh vor. Diese jährliche Entlastung könnte für einkommensschwache Haushalte durchschnittlich 300 Euro betragen.

Herausforderungen und Bedenken

Es gibt jedoch auch Kritik und Unsicherheiten zu diesem neuen Sozialtarif. So sind etwa nur bestimmte Gruppen, wie Mindestpensionisten und Pflegegeldbezieher, anspruchsberechtigt. Lehrlinge, Arbeitslose und gehörlose Personen sind hingegen ausgeschlossen. Laut einem Bericht von AWBlog könnten nur rund 183.000 Personen den Tarif in Anspruch nehmen, was weniger als die Hälfte der als schutzbedürftig geltenden Haushalte ausmacht. Verfassungsrechtliche Bedenken hinsichtlich unsachlicher Differenzierungen bei der Anspruchsberechtigung wurden ebenfalls geäußert.

Die Finanzierung des Sozialtarifs soll durch Energielieferanten bis zu 50 Millionen Euro betragen, was zu Fragen führt, wie es weitergeht, wenn diese Summe aufgebraucht ist. Zusätzlich erhalten Lieferanten eine Abwicklungspauschale von 67,20 Euro pro Jahr pro Haushalt, die im Vergleich zu vorherigen Regelungen als hoch erachtet wird.

Parallel zu diesen Entwicklungen haben Haushalte die Möglichkeit, bereits jetzt auf günstigere Tarife zu wechseln, die zwischen 12 und 18 Cent pro kWh am Markt angeboten werden. Angesichts der hohen Netzkosten, Steuern und Abgaben, die die Strompreise auf bis zu 40 bis 50 Cent pro kWh treiben können, wird ein Tarifvergleich für Strom und Gas unumgänglich. Angesichts der bevorstehenden Änderungen im Stromtarifmodell stehen die Haushalte vor der Herausforderung, informierte Entscheidungen über ihre Energieanbieter zu treffen.