In Österreich häufen sich die Warnungen vor erheblichen Folgekosten, die aus geplanten Kürzungen im Sozialbereich entstehen könnten. Wie vienna.at berichtet, sehen zahlreiche Sozialorganisationen, darunter der Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ), dringenden Handlungsbedarf. Diese Organisationen kritisieren die bevorstehenden Reformen der Sozialhilfe, die insbesondere für 344.000 Kinder und Jugendliche in Österreich alarmierende Konsequenzen haben dürften.

Besonders besorgniserregend sind die Auswirkungen auf jene Kinder, die am oder unter dem Existenzminimum leben. Für das Jahr 2024 sind die Gesamtausgaben für die Sozialhilfe auf 1,317 Milliarden Euro festgelegt, was lediglich 0,27 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Eine Studie der OECD aus dem Jahr 2023 schätzt die Folgekosten der sozioökonomischen Benachteiligung von Kindern auf etwa 17,2 Milliarden Euro jährlich – das entspricht 3,6 Prozent des BIP. Diese Kosten entstehen durch höhere Gesundheitsausgaben, geringere Steuereinnahmen und eine Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Gefahren durch Einsparungen im Sozialbereich

Die geforderten Einsparungen könnten vor allem armutsgefährdete Kinder und Jugendliche weiter benachteiligen. Der BSVÖ warnt, dass sinkende Budgetmittel für Mobilitätszuschüsse und die Kürzung von Förderungen die Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt erschweren. BSVÖ-Präsident Markus Wolf betont, dass Inklusion und Chancengleichheit nicht nur moralische, sondern auch gesellschaftliche Gewinne darstellen.

Die Reform der Sozialhilfe soll bis Anfang 2027 erfolgen und beinhaltet möglicherweise die Einführung einer bundesweiten Höchstgrenze für Kindersätze. Derzeit variieren die Regelungen zur Höhe der Sozialhilfe für Kinder je nach Bundesland. Für eine nachhaltige Lösung wird ein Ausbau kindbezogener Sozialleistungen gefordert.

Kinderarmut und ihre gesellschaftlichen Folgekosten

Im Kontext der Diskussion um Kinderarmut kommt auch eine Studie des DIW Econ ins Spiel, die die gesellschaftlichen Folgekosten von Kinderarmut näher beleuchtet. Der Report zeigt auf, dass jeder fünfte deutsche Haushalt mit Kindern unter der Armutsrisikogrenze lebt. Eine Kindergrundsicherung könnte demnach dazu beitragen, Familien zu stärken und Kinder aus der Armut zu holen.

Die finanziellen Belastungen durch die Kinderarmut sind erheblich. Gesundheitliche Probleme, die aus der Armut resultieren, führen zu direkten Kosten im Gesundheitssystem, hinzukommen höhere staatliche Ausgaben durch schlechtere Bildungs- und Arbeitsmarktchancen. Eine gezielte Politik könnte laut dem DIW dazu beitragen, die Anzahl armutsbetroffener Haushalte mit Kindern durch verschiedene Maßnahmen signifikant zu reduzieren.

Insgesamt wird deutlich, dass umfangreiche Investitionen zur Bekämpfung der Kinderarmut nicht nur eine humanitäre, sondern auch eine ökonomische Notwendigkeit darstellen. Die aktuellen Einsparungen im Sozialbereich könnten langfristig in Form von höheren Folgekosten deutlich mehr Geld kosten, als in die Unterstützung betroffener Familien investiert würde.