Am 10. Oktober 2025 hat das SOS-Kinderdorf Anlaufstellen eingerichtet, die sich an Personen richten, die in der Vergangenheit „Unrecht erlebt haben“. Die Geschäftsführerin Anne Schlack betont, dass jedes Anliegen ernst genommen wird, unabhängig von dem Zeitpunkt, zu dem die Betroffenen ihre Erfahrungen teilen. Diese Initiative wurde als Reaktion auf einen Bericht der Wochenzeitung „Falter“ ins Leben gerufen, der Vorwürfe von Missbrauch gegen das SOS-Kinderdorf in Moosburg, Kärnten, publik machte. Staatsanwaltschaften in Klagenfurt, Innsbruck und Salzburg haben bereits Ermittlungen eingeleitet, die auch andere Kinderdörfer betreffen.

Die neuen Anlaufstellen bieten zahlreichen Optionen für Betroffene, sich zu melden. Diese können anonym über eine Whistleblowing-Plattform kommunizieren oder sich persönlich bei einer der sechs unabhängigen Ombudsstellen in Österreich oder den regionalen Anlaufstellen für sogenannte „Care Leaver“ melden. Darüber hinaus wird am 8. Oktober eine unabhängige Reformkommission ihre Arbeit aufnehmen, um die Anliegen der Betroffenen zu bearbeiten.

Vertraulichkeit und Unterstützung

Alle Meldungen werden vertraulich behandelt und unabhängig geprüft. Wo erforderlich, können diese in das bestehende Opferschutzverfahren eingebracht werden, das Betroffenen Unterstützung in Form von Therapie oder finanzieller Anerkennung ermöglicht. Volljährige ehemals betreute Personen sind eingeladen, sich jederzeit freiwillig, vertraulich und ohne Hürden an die Einrichtung zu wenden. In diesem Zusammenhang ist es auch möglich, sich an Gewaltschutzzentren in den Bundesländern zu wenden.

Anne Schlack hebt hervor, dass neben der Bearbeitung von Missbrauchsvorfällen auch die allgemeine Unterstützung für volljährige, ehemals betreute Menschen im Fokus steht. Die Anlaufstellen bieten Hilfestellungen zu Themen wie Wohnen, Finanzen und Ausbildung. Gespräche werden von pädagogisch qualifizierten Fachkräften geführt, die auf die individuellen Anliegen der Betroffenen eingehen.

Whistleblowing in der Kinder- und Jugendhilfe

Die Studie, die auf einer Analyse von 140 Internetauftritten von Jugendämtern basiert, hebt hervor, dass essenzielle Informationen oft schwer auffindbar sind und es an der nötigen technischen Ausstattung für Meldestellen fehlt. Es wird gefordert, dass das Hinweisgeberschutzgesetz auf den Bereich Kinderschutz ausgeweitet wird und Mindeststandards für die Bearbeitung von Meldungen eingeführt werden.

Die gesamte Sensibilisierung der Gesellschaft sowie die Schulung von Fachkräften sind daher notwendige Schritte, um betroffenen Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben und ihre Perspektiven sowie Bedürfnisse zu berücksichtigen. Die Forschungsstudie ist online abrufbar unter www.transparency.de.

Insgesamt setzt das SOS-Kinderdorf wichtige Schritte, um die Sicherheit und das Wohlbefinden ehemaliger Betreuter zu gewährleisten und die Missstände in der Vergangenheit zu addressieren. Die Initiativen sollen nicht nur Rückhalt bieten, sondern auch Veränderungen innerhalb der Struktur des Kinderschutzes vorantreiben.

Weitere Informationen zu den Anlaufstellen und Kontaktmöglichkeiten sind auf der Website des SOS-Kinderdorfs zu finden: Dolomitenstadt, OTS und Famrz.