Am 11. April 2026 versammelten sich hunderte Menschen in Tirol, um sich mit Joseph und Victoria Oshakuade zu solidarisieren, deren Schicksal einer drohenden Abschiebung nach Nigeria besiegelt scheint. Joseph Oshakuade sprach eindringlich über die Herausforderungen, die er und seine Schwester seit ihrer Ankunft in Österreich vor über acht Jahren erleben. Während der Kundgebung betonte er den Wunsch, in Tirol zu bleiben, sein Studium fortzusetzen und aktiv in die Gemeinschaft integriert zu bleiben. Trotz der Unsicherheit über ihre Aufenthaltsgenehmigung zeigten die Geschwister ein starkes Engagement in ihrer Schule, was von Mirjam Braun, ihrer Deutschlehrerin, hervorgehoben wurde.
An der Kundgebung nahmen auch bedeutende Mitglieder der Tiroler Landesregierung, darunter LHStv. Philip Wohlgemuth, LR Eva Pawlata und LR René Zumtobel, teil. Ihre Anwesenheit unterstreicht das große Interesse an diesem Fall und die gesellschaftliche Relevanz des Themas Migration und Integration. Petar Rosandic von SOS Balkanroute äußerte scharfe Kritik an der österreichischen Integrationspolitik und bezeichnete sie als „Integrationslüge“. Diese Aussagen stoßen auf Widerstand innerhalb der Gesellschaft und werfen grundlegende Fragen über die Integrationsbereitschaft und die Behandlung von Migranten auf.
Forderungen nach humanitärem Bleiberecht
Schwester Notburga Maringele, Provinzoberin der Franziskanerinnen Hall, forderte ein humanitäres Bleiberecht für die Geschwister und kritisierte die geplante Abschiebung als unvernünftig. Sie verwies zudem auf die große Solidarität, die in den letzten Wochen für die beiden gezeigt wurde. Auch Victoria Oshakuade dankte im Gespräch für die vielen Unterstützungsbekundungen und gab an, an einem dauerhaften Aufenthaltstitel zu arbeiten.
Die NEOS haben die Entscheidung zur Abschiebung ebenfalls kritisiert und fordern eine umfassende Überprüfung des Falls. Sophie Wotschke, NEOS-Sprecherin für Justiz, Asyl und Migration, betonte, wie wichtig es sei, ein funktionierendes Asylsystem zu schaffen, das diejenigen schützt, die sich erfolgreich in die Gesellschaft integriert haben. Wotschke appellierte an die Behörden, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen und die Integrationsfaktoren angemessen zu berücksichtigen.
Ein Signal für die Gesellschaft
Die lange Verfahrensdauer von über acht Jahren wird als ein grundsätzliches Problem des österreichischen Asylsystems kritisiert. Die NEOS setzen ihre Hoffnung auf das EU-Migrations- und Asylpaket, das 2024 verabschiedet wurde und schnellere Asylverfahren verspricht. Kernelemente dieses Paketes beinhalten beschleunigte Grenzverfahren und ein gerechteres System zur Verteilung von Asylsuchenden. Wotschke hebt die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile der Integration des Geschwisterpaars hervor und warnt davor, dass Menschen nicht für ihre erfolgreiche Integration bestraft werden dürfen.
Die Debatte rund um den Fall der Oshakuades zeigt die Spannungsfelder innerhalb der österreichischen Migrationspolitik auf und könnte weitreichende Signalwirkung für ähnliche Situationen entfalten. Der Aufruf zur Menschlichkeit und zu einem differenzierten Umgang mit Migranten wird immer lauter.