Nach monatelanger Untersuchung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat der Fußballverein Austria Wien die Vorwürfe gegen seinen Finanzvorstand Harald Zagiczek als unbegründet zurückgewiesen. Die Ergebnisse der Nachforschung wurden am Donnerstagnachmittag veröffentlicht und äußern sich zu Vorwürfen, die nach einem Derbysieg in Wien-Favoriten im April aufkamen. Die Anschuldigungen betrafen die Existenz einer Schwarzgeld-Kassa, die angeblich aus Tombola-Geldern gespeist wurde.

Der Vermittler für US-Investoren, Josko Rokov, hatte am 10. Januar eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, die diese Vorwürfe stützte. Zagiczek reagierte daraufhin mit einer Privatklage. Doch die Prüfung durch Ernst & Young kam zu dem Schluss, dass die Anschuldigungen gegen Zagiczek und den ehemaligen Sportvorstand Jürgen Werner „substanzlos“ sind.

Ergebnisse der Untersuchung

Die umfassende Überprüfung umfasste Vertragsdokumente, E-Mails, Laptops, Smartphones und Chats. Ernst & Young fand keine belastbaren Indizien, die die Vorwürfe stützten; im Gegenteil, mehrere der Anschuldigungen konnten widerlegt werden. Austria-Präsident Kurt Gollowitzer kommentierte die Ergebnisse und erklärte: „Die Sache ist damit erledigt.“ Er betonte die Bedeutung von Integrität und verantwortungsvollem Handeln als fundamentale Werte des Vereins.

Zagiczek äußerte Erleichterung über das Ergebnis der Prüfung und die klare Widerlegung der Vorwürfe. Diese Entwicklungen werfen jedoch Fragen zu einem breiteren Kontext auf, der bis hin zu den Probleme im Sport selbst reicht.

Der Kontext von Sport und Integrität

Die Vorgänge rund um Austria Wien stehen im Schatten von immer wiederkehrenden Diskussionen über Integrität in Sportverbänden. Berichte über Missbrauch und Korruption in verschiedenen Sportorganisationen sind nicht neu. So äußerte Francesco Ricci Bitti, Präsident der Vereinigung aller olympischen Sommer-Sportverbände, auf der Play the Game Konferenz in Odense, dass das Sport-System zwar nicht krank sei, aber Verbesserungen benötige. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Politik-Professor Jules Boykoff sieht zahlreiche Probleme im Sport, darunter Kostenexplosionen und Greenwashing. Miguel Maduro, ehemaliger Generalanwalt am europäischen Gerichtshof, sprach von gravierenden Themen wie Korruption und Spielmanipulation, die einer unabhängigen Überwachungsbehörde bedürfen. Maduro erinnert an seine Erfahrungen im FIFA-Korruptionsskandal und kritisiert, dass grundlegende Prinzipien integrer Führung in Sportorganisationen oft nicht umgesetzt werden.

Angesichts dieser Herausforderungen plädiert Maduro dafür, dass die Europäische Union die Leitung einer solchen Behörde übernimmt. Die damit verbundenen Themen sind auch im Vereinssport präsent, wie der Fall von Zagiczek zeigt.