Der Rechnungshof hat eine Prüfung des ORF eingeleitet, bei der die hohen Personalausgaben von über 400 Millionen Euro im Fokus stehen. Laut oe24 fließen mehr als die Hälfte der Haushaltsabgabe von über 710 Millionen Euro jährlich in Gehälter. Trotz dieser hohen Ausgaben können viele junge Journalisten im ORF nur von prekären Verträgen profitieren, die oft mit ungewisser Verlängerung verbunden sind.

Besorgnis erregt die Situation rund um ehemalige hochrangige Mitarbeiter, die zwar freigestellt wurden, jedoch weiterhin voll verdienen, was in der Öffentlichkeit als „weiße Elefanten“ bezeichnet wird. Ein Beispiel für extreme Gehälter ist Pius Strobl, ein Gründer der Grünen, der mit 451.000 Euro brutto mehr verdient als der ORF-Generaldirektor Roland Weißmann, dessen Gehalt bei 427.500 Euro brutto liegt.

Transparenzbericht des ORF

Der ORF hat kürzlich seinen zweiten Transparenzbericht veröffentlicht, wie im ORF-Gesetz vorgeschrieben. Laut ORF müssen nur die Mitarbeiter, die mehr als 170.000 Euro jährlich verdienen, namentlich genannt werden. Insgesamt betrifft dies 71 Personen, 13 mehr als im Vorjahr. Allerdings sind das weniger als zwei Prozent der gesamten Belegschaft.

Der Anstieg der namentlich genannten Personen resultiert aus der fehlenden Valorierung der gesetzlichen Grenze. Im vergangenen Jahr wurden im Personalbereich 20 Millionen Euro eingespart, während Personal zu günstigeren Konditionen nachbesetzt wird. Außerdem hat der ORF ein Sparpaket von 325 Millionen Euro bis 2026 beschlossen.

Politische Reaktionen und zukünftige Herausforderungen

Die politische Reaktion auf die Gehälter im ORF ist intensiv. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) fordert von der ORF-Führung Maßnahmen bezüglich der Spitzengehälter. Er kritisiert, dass während Diskussionen über Leistungskürzungen für das Publikum hohe Gehälter ausgezahlt werden. Sein Kollege von der ÖVP, Nico Marchetti, sieht Sparpotenzial und fordert eine Priorisierung der Ausgaben. Der FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker beschreibt den ORF als „zwangssteuerfinanzierten Privilegienstadl“ und fordert eine grundlegende Reform.

Zudem ist abzusehen, dass die Einnahmen aus dem ORF-Beitrag von 15,30 Euro pro Monat und Haushalt bis 2029 eingefroren wurden, was dem ORF etwa 220 Millionen Euro entgehen lässt. Da die Einnahmen aus der Haushaltsabgabe nicht über 710 Millionen Euro hinausgehen dürfen, entsteht in den kommenden Jahren ein weiterer Sparbedarf von etwa 100 Millionen Euro.

Gehaltsverteilung und öffentliche Diskussion

Die Gehaltsverteilung im ORF sorgt ebenfalls für Aufsehen. Laut Die Presse sind die Gehälter von Top-Verdienern im ORF hohe Beträge, wobei Robert Kratky die Liste mit 472.702 Euro brutto anführt. Um die Diskussion um Gehälter zu versachlichen, hat der ORF zur Mäßigung aufgerufen, insbesondere angesichts öffentlicher Diskussionen und sogar Morddrohungen, die im Zusammenhang mit der Gehaltsthematik standen.

Die Gehälter der Chefredakteure im multimedialen Newsroom liegen zwischen 183.000 und 186.000 Euro brutto, während Armin Wolf mit 266.855 Euro zu den bestverdienenden Mitarbeitern zählt. Infotainment-Mitarbeiter und Moderatoren wie Andi Knoll haben ebenfalls signifikante Nebenverdienste.

Die Prüfung des Rechnungshofs und die öffentliche Diskussion werfen ein Licht auf die komplexe Finanzsituation des ORF und die Verhältnisse im Unternehmen, welche beeinflusst werden von politischen und gesellschaftlichen Forderungen nach Transparenz und Effizienz.