In Österreich ist die Situation in den Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) alarmierend. Nur 9% dieser Einrichtungen werden als sehr sicher eingestuft, während 32% immerhin als sicher gelten. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der Kleine Zeitung hervor. Achitz, der sich mit den Standards für diese Einrichtungen beschäftigt, hebt hervor, dass die menschenrechtlichen Garantien für diese vulnerabile Gruppe nicht vollständig umgesetzt sind und es insgesamt einen großen Nachholbedarf gibt.
Ein zentrales Problem ist die unzureichende finanzielle Ausstattung der UMF-Einrichtungen. So erhalten diese Einrichtungen maximal 130 Euro pro Kind, während andere Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen bis zu 300 Euro pro Kind erhalten. Diese finanzielle Benachteiligung zeigt sich auch in der mangelhaften psychiatrischen Versorgung und den langen Wartezeiten auf Deutschkurse.
Überbelegung und mangelnde Standards
Überbelegung ist ein weiteres gravierendes Problem. In einem Krisenzentrum in Wien lebten beispielsweise 15 Jugendliche anstatt der vorgesehenen 8 Plätze. Die meisten Jugendlichen geben an, sich zwar subjektiv sicher zu fühlen, jedoch ist die Qualität der Betreuung massiv verbesserungsfähig. Eine bedenkliche Tatsache ist, dass fast jede zweite Einrichtung nicht den Bedürfnissen ihrer Untergebrachten entspricht und in jeder zweiten UMF-Einrichtung kein Kinderschutzkonzept vorhanden ist.
Drastische Fälle unqualifizierter Betreuung sind besonders in den Krisenzentren im Burgenland und Wien dokumentiert. Diese Missstände begünstigen nicht nur ein unsicheres Umfeld, sondern können auch zu schweren Vergehen führen. Ein Vorfall in einer Wohngemeinschaft in Oberösterreich, wo das Fehlen eines Kinderschutzkonzepts zu sexuellen Übergriffen und kriminellen Handlungen führte, verdeutlicht die Dringlichkeit eines handlungsfähigen Schutzsystems.
Finanzielle Herausforderungen und dringend benötigte Reformen
Die gegenwärtige Finanzierung ist unzureichend und lässt kaum Spielraum für Verbesserungen. Die letzte Anhebung des Tagsatzes für UMF-Kinder fand bereits 2016 statt, und aktuelle Tagsätze von maximal 95 Euro pro Kind für UMF stehen im krassen Gegensatz zu durchschnittlich 170 Euro für heimisch untergebrachte Kinder. Dies wirkt sich direkt auf die Qualität der Betreuung aus und verstärkt die Problematik der Schließung von Einrichtungen, die damit bedroht werden, unbegleitete geflüchtete Kinder in ungeeignete Unterkünfte zu transferieren.
Am 12. Dezember 2023 wurde in einem Fortschritt eine Einigung über ein „transparentes Realkostenmodell“ zwischen der österreichischen Bundesregierung und dem Land Wien erzielt. Dieses Finanzierungsmodell hat das Potenzial, die tatsächlichen Kosten der Betreuung abzudecken und damit die notwendige, bedarfsgerechte Betreuung von unbegleiteten geflüchteten Kindern sicherzustellen. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwiefern dieses Modell auch außerhalb Wiens umgesetzt werden kann, wo häufig die Finanzierung nur durch Spendengelder gewährleistet ist.
Der große Reformbedarf in der Kinder- und Jugendhilfe bleibt angesichts dieser Herausforderungen weiterhin bestehen. Alle Beteiligten sind gefordert, endlich klare Standards für die Betreuung und die Sicherheit von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu schaffen. Dies beinhaltet nicht nur eine angemessene finanzielle Unterstützung, sondern auch die Umsetzung einheitlicher Richtlinien, die eine qualitativ hochwertige Betreuung gewährleisten.