Am 19. Jänner 2026 wurde ein ehemaliger Fußball-Nachwuchstrainer am Landesgericht Salzburg wegen sexueller Delikte verurteilt. Der 34-Jährige erhielt eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, davon 3 Monate Haft und 15 Monate auf Bewährung. Er war wegen des Missbrauchs mehrerer Burschen schuldig gesprochen worden, die ihm über Snapchat sexuelle Bilder und Videos gesendet hatten. Zudem wurde ihm vorgeworfen, zwei dieser Burschen unsittlich berührt zu haben, darunter auch einen im Schlaf. Die Übergriffe fanden zwischen 2022 und 2025 statt und betrafen insgesamt 13 dokumentierte Opfer im Alter zwischen 12 und 16 Jahren, die alle aus dem Verein stammen.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten den Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses vor, da die Burschen unter seiner Aufsicht standen. Laut der Urteilsverkündung gestand er die meisten Vorwürfe, bestritt jedoch den sexuellen Missbrauch einer schlafenden Person. Er gab an, dass das problematische Verhalten im Rahmen eines „Wahrheit oder Pflicht“-Spiels begann und sich im Rausch normalisierte. Der Trainer erklärte zudem, dass seine Beziehung zu den Jugendlichen zunächst freundschaftlich gewesen sei, bevor sie sich negativ wandelte. Zudem hat er psychotherapeutische Behandlung und Sexualtherapie begonnen. Das Urteil ist derzeit noch nicht rechtskräftig, wie 5min.at berichtet.

Missbrauch im Fußball: Ein weit verbreitetes Problem

Parallel zu diesem Fall zeigen aktuelle Recherchen, dass sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige im Fußball ein weit verbreitetes Problem in Deutschland darstellt. Seit 2020 wurden laut einer Untersuchung von CORRECTIV mindestens 37 strafrechtliche Ermittlungsverfahren wegen Gewaltdelikten im Fußball gegen Minderjährige eingeleitet. Diese betreffen insgesamt 130 Geschädigte, wobei Trainer häufig als Haupttäter angegeben werden. Die Dunkelziffer könnte noch weit höher sein, da viele Vorfälle unentdeckt bleiben.

Die Recherche ergab, dass die Übergriffe nicht nur in den Amateurvereinen stattfinden. Hunderte von betroffenen Kindern und Jugendlichen berichten von verschiedenen Formen des Missbrauchs, einschließlich sexualisierter Gewalt, körperlicher Gewalt und psychischer Gewalt. Über 1.360 Übergriffe wurden dokumentiert. Besonders alarmierend ist, dass oft keine Maßnahmen von den Ermittlungsbehörden ergriffen werden und viele Täter weiterhin in anderen Vereinen tätig sind.

Reaktionen und Zurückhaltung im DFB

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) steht in der Kritik, da er keinen verbindlichen Safe Sport Code zur Sanktionierung sexualisierter Gewalt eingeführt hat. Im Gegensatz dazu hat der Deutsche Olympische Sportbund diesen bereits implementiert. DFB-Vizepräsidentin Silke Sinning äußerte Bedenken hinsichtlich der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die den Informationsaustausch über Verdachtsfälle erschweren. Eine [

Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs](https://home.1und1.de/magazine/sport/fussball/fussball-tatort-missbrauchsfaelle-vereinen-41412776) fordert eine umfassende Studien über Dunkelfeldfälle und eine gezielte Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Fußball.

Obwohl Hilfsangebote für Betroffene eingerichtet wurden, bleibt die präventive Aufklärung eine Herausforderung. Die unzureichende Erfassung von Gewalttaten im Jugendfußball begünstigt eine hohe Dunkelziffer. Es ist wichtig, klare Kommunikationswege zwischen Eltern, Kindern und Vereinen zu schaffen, um potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen.