Die Diskussion um die Umbenennung sexistisch konnotierter Après-Ski-Getränkenamen gewinnt zunehmend an Fahrt. Begriffe wie „Heiße Oma“, „Heiße Witwe“ und „Haxenspreizer“ geraten in die Kritik, da Experten deren Verwendung als anstößig und diskriminierend empfinden. Selina Oberortner von der Antidiskriminierungsstelle Salzburg erklärt, dass Sprache die gesellschaftlichen Werte widerspiegelt und merkt an, dass Begriffe, die lange als harmlos galten, heute in einem anderen Licht betrachtet werden müssen. Die Diskussion über die Umbenennung hat sich schnell verbreitet und wirft grundlegende Fragen zu den gesellschaftlichen Normen und Werten auf, die wir heutzutage vertreten.
Albert Ebner von der Wirtschaftskammer Salzburg warnt jedoch, dass eine gesetzliche Regelung zur Umbenennung nicht umzusetzen ist. Betreiber von Gastronomiebetrieben sind nicht verpflichtet, auf die Forderungen einer Expertengruppe zu reagieren. „Die Frage, ob wir jedes Detail unserer Vergangenheit hinterfragen sollten, bleibt offen“, so Ebner. Die Thematik könnte in manchen Kreisen auch als Teil einer übermäßigen politischen Korrektheit angesehen werden, wobei Bedenken bestehen, dass die Diskussion um Getränkenamen von wichtigeren gesellschaftlichen Themen ablenkt.
Die subtile Form von Sexismus
Die Debatte um sexistische Begriffe fällt in einen größeren Kontext des Wandels innerhalb der Gesellschaft. Während in Deutschland Erfolge von Frauen in Führungspositionen zu verzeichnen sind, bleibt die Gleichstellung der Geschlechter weiterhin umstritten. Trotz positiver Entwicklungen gibt es nach wie vor große Diskrepanzen in Bezug auf die Geschlechterrollen. Der Gender Empowerment Measure (GEM) und der Gender Inequality Index (GII) verdeutlichen, dass Frauen weltweit in Machtpositionen unterrepräsentiert sind und ihre Rolle oft auf die der Care-Arbeit beschränkt bleibt. Eine Umfrage aus dem Jahr 2010 ergab, dass 20% der Deutschen der Meinung sind, Frauen sollten sich mehr auf die Rolle der Ehefrau und Mutter besinnen, was die persistierenden strukturellen Benachteiligungen der Frauen verdeutlicht.
Sexistische Einstellungen haben sich von offenen zu subtilen Formen gewandelt. Begrifflichkeiten wie moderner Sexismus, Neosexismus und ambivalenter Sexismus stehen für diese Entwicklung, wobei moderner Sexismus häufig die Diskriminierung leugnet, während ambivalenter Sexismus feindliche und wohlwollende Einstellungen gleichzeitig umfasst. Diese subtilen Formen sind besonders schwer zu erkennen und zu konfrontieren, was dazu führt, dass Frauen oft intern die diskriminierenden Verhaltensweisen übernehmen, was ihre psychische Gesundheit beeinträchtigen kann.
Intersektionalität und mehrfache Diskriminierung
Die Diskussion um Sexismus kann nicht isoliert betrachtet werden. Kimberlé Crenshaw, eine renommierte Juristin, hebt hervor, dass Frauen, die zusätzlich zu Sexismus auch anderen Formen der Diskriminierung, wie Rassismus oder Antisemitismus ausgesetzt sind, oft erheblich stärker betroffen sind. Diese intersektionale Diskriminierung bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich und verdeutlicht die Notwendigkeit, verschiedene soziale Identitäten in die Betrachtung von Diskriminierung einzubeziehen.
Das Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ setzt sich für die Bekämpfung dieser Formen von Diskriminierung ein und betont die Wichtigkeit, Maßnahmen zu entwickeln, die die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen berücksichtigen. Besonders wichtig ist es, dass Präventionsmaßnahmen und Hilfsangebote die Perspektiven mehrfachdiskriminierter Personen einbeziehen. Dies könnte die Entwicklung barrierefreier Trainings für Menschen mit Behinderungen umfassen oder die Sensibilisierung von Beratungsstellen für Rassismus, um einen sicheren Raum für alle betroffenen Personen zu schaffen.
Die Debatte um die Umbenennung von traditionellen Getränkenamen ist also nicht nur eine oberflächliche Diskussion, sondern spiegelt tiefere gesellschaftliche Probleme wider. In einer Zeit, in der öffentliche Diskurse über Sprache und Wertvorstellungen sich verändern, bleibt die Frage nach der Verantwortung der Gesellschaft und ihrer Mitglieder, inklusive den Gastronomiebetrieben, zentral.