Am Samstagnachmittag stürzte in Niscemi, Sizilien, ein dreistöckiges Wohnhaus in den Abgrund. Das Gebäude im Stadtviertel Sante Croci war aufgrund eines anhaltenden Erdrutsches instabil geworden. Starke Regenfälle am vergangenen Wochenende haben einen vier Kilometer langen Abhang in Bewegung gesetzt. Über 1.500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, während die Behörden die Situation als kritisch einstufen. Benachbarte Häuser gelten ebenfalls als einsturzgefährdet, und die Sperrzone für die Anwohner ist bereits auf 150 Meter ausgeweitet worden.

Der Feuerwehrbeamte Francesco Turco erläuterte, dass die Dauerregenfälle den Boden weiter geschwächt haben, wodurch der eingestürzte Bereich noch anfälliger wurde. Denn der Boden in Niscemi hatte sich durch die heftigen Niederschläge wie ein Schwamm vollgesogen. Dies zeigt, wie sehr die geologischen Bedingungen und menschliche Aktivitäten zur Gefährdung der Region beitragen können. Die italienische Zivilschutzbehörde hat eine umfassende Risikoanalyse in Auftrag gegeben, während eine nationale Expertenkommission eingesetzt wurde, um das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Bodenbewegungen zu bewerten.

Evakuierungen und Notstand

Um die Sicherheit der Anwohner zu gewährleisten, wurden alle Häuser in einem Abstand von 150 Metern zur Abbruchkante evakuiert. Der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabio Ciciliano, beschreibt die Lage als besorgniserregend. Zudem wurde das betroffene Gebiet zur roten Zone erklärt, was bedeutet, dass Menschen aus den umliegenden Straßen evakuiert wurden. Die Ministerpräsidentin Giorgia Meloni besuchte Niscemi, um sich über die Lage zu informieren.

Die Schäden, die die Region aufgrund des Erdrutsches und der damit verbundenen Unwetter erlitten hat, werden auf etwa 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Der Unwetternotstand wurde für die betroffenen Regionen ausgerufen. Trotz der kritischen Lage sollen die Schulen am Montag wieder geöffnet werden, jedoch werden Schüler aus zwei unbenutzbaren Schulgebäuden vorübergehend in andere Einrichtungen verlegt. Insgesamt sind 323 Kinder von den Evakuierungen betroffen.

Ursachen und Risikofaktoren

Experten warnen, dass sich der Erdrutsch in Richtung Stadtzentrum ausdehnen könnte, insbesondere da weitere Regenfälle erwartet werden. Untersuchungen laufen auch, um festzustellen, ob fahrlässige Sicherungsmaßnahmen oder illegale Eingriffe zur aktuellen Situation beigetragen haben. Die Gefahr neuerlicher Abbrüche bleibt hoch und könnte in Zukunft zu weiteren Evakuierungen führen.

Erdrutsche entstehen häufig durch Faktoren wie starke Regenfälle, geschädigten Boden und fehlende Vegetation. In diesem Fall sind die heftigen Niederschläge ausschlaggebend, weil sie die Stabilität des Geländes reduziert haben. Insbesondere in urbanisierten Gebieten sind die Risiken für Erdrutsche größer, da menschliche Aktivitäten die natürlichen Schutzmechanismen schwächen. Durch den Klimawandel könnte außerdem die Häufigkeit und Intensität von Regenfällen zunehmen, was das Risiko für Erdrutsche weltweit erhöht. Diese Entwicklungen erfordern dringende Aufmerksamkeit und Maßnahmen von Behörden und Geologen, um solche Umweltkatastrophen in Zukunft zu vermeiden.

Die Situation in Niscemi bleibt angespannt, und die Behörden arbeiten weiterhin daran, die Lage zu stabilisieren und die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten. Wie auch bereits in der Vergangenheit, sind die Regionen anfällig für ähnliche Naturereignisse, und die Lehren aus solchen Katastrophen sollten nicht ignoriert werden.

Für weitere Informationen sollte auf die Berichte von oe24, Tagesschau und helmholtz-klima verwiesen werden.