Der Rechnungshof hat eine umfassende Prüfung des Österreichischen Rundfunks (ORF) gestartet, die sich erstmals seit 2008 mit den internen Strukturen und den Personalausgaben des öffentlich-rechtlichen Senders beschäftigt. Laut einem Sprecher des Rechnungshofs wurde der Prüfstart offiziell bestätigt, jedoch wurden keine spezifischen Details zum Umfang oder den Abläufen der Prüfung bereitgestellt, wie heute.at berichtet.

Der Fokus liegt auf dem Personaleinsatz im ORF-Konzern, in dem rund 4.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die jährlichen Personalkosten belaufen sich dabei auf etwa 400 Millionen Euro, was die Effektivität der Personalstruktur infrage stellt. Der Durchschnittslohn der Mitarbeiter bewegt sich nahe der 100.000 Euro-Grenze, jedoch wird die Frage aufgeworfen, ob der ORF unter diesen Bedingungen überorganisiert ist. Diese Problematik wird von oe24 aufgegriffen, die darauf hinweisen, dass die hohen Gehälter von als „weiße Elefanten“ bezeichneten Angestellten, die keine klaren Aufgaben haben, in der Öffentlichkeit kritisch betrachtet werden.

Umstellung der Gebühren

Ein weiterer zentraler Punkt der Prüfung ist die Umstellung von der gerätegekoppelten GIS-Gebühr auf den verpflichtenden ORF-Beitrag für Haushalte und Unternehmen. Diese Umstellung wird derzeit ebenfalls von den Prüfern untersucht. Im Sommer 2025 erhielt der ORF bereits einen Rohbericht, der Mängel und Verbesserungsvorschläge zu dieser Umstellung auflistete. Der Endbericht wird in absehbarer Zeit erwartet, wobei erste Ergebnisse voraussichtlich erst nach der Neubesetzung der ORF-Führung im August 2026 veröffentlicht werden.

Die Gesamtausgaben des ORF übersteigen derzeit eine Milliarde Euro pro Jahr, während die Einnahmen bei rund 1,1 Milliarden Euro liegen. Diese Zahlen verdeutlichen die finanziellen Herausforderungen, denen der Sender gegenübersteht. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann kündigte im Dezember 2025 eine Reduzierung von 50 Stellen an, um den Kosten entgegenzuwirken. Dies ist Teil eines umfassenderen Plans, der neben den Stelleneinsparungen auch strukturelle Anpassungen und eingeschränkte Nachbesetzungen umfasst. In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere hundert Jobs abgebaut, um die Kostensituation zu verbessern.

Auswirkungen der Prüfung

Die laufenden Prüfung des Rechnungshofs hat das Potenzial, bedeutende politische und interne Debatten auszulösen, die sich nicht nur auf die ORF-Strukturen, sondern auch auf die Medienlandschaft in Österreich insgesamt auswirken können. Das Ergebnis der Gesamtprüfung wird mit Spannung erwartet, da es möglicherweise zu weitreichenden Empfehlungen kommen könnte, die den Umgang mit dem ORF und seinen Finanzen grundlegend beeinflussen könnten.