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Am Donnerstag traf sich Wladimir Putin hinter verschlossenen Türen mit führenden Geschäftsleuten Russlands, um über die Finanzierung des Militärs und die Fortsetzung des seit Februar 2022 andauernden Krieges in der Ukraine zu diskutieren. In diesem Kontext sagte der Milliardär Suleiman Kerimow einen Beitrag von 100 Milliarden Rubel, was etwa 1,1 Milliarden Euro entspricht, zu. Dieser Schritt unterstreicht die finanzielle Belastung, unter der der russische Staat aufgrund von westlichen Sanktionen leidet. Der russische Staatshoheit brach in der Folge viele geltende Finanzstrukturen zusammen, da die Einnahmen aus Öl- und Gasexporten sinken und die Konjunktur schwächelt. Unbestätigten Berichten zufolge konnte Reuters Details zu dem Treffen nicht prüfen und auch eine Anfrage im Büro von Kerimow blieb unbeantwortet.

Die finanziellen Herausforderungen, vor denen Russland steht, zwingen die Regierung, Maßnahmen zur Stabilisierung des Staatshaushalts zu ergreifen. Dazu zählt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer sowie mögliche Kürzungen nicht sicherheitsrelevanter Ausgaben um zehn Prozent. Die Entscheidung über die besagten Kürzungen hängt jedoch stark von der Dauerhaftigkeit des durch den Iran-Krieg ausgelösten Anstiegs der Ölpreise ab. In diesem Zusammenhang wird die Lage durch ukrainische Drohnenangriffe noch komplizierter, die mindestens 40 Prozent der russischen Ölexportkapazitäten zum Erliegen gebracht haben.

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Die Auswirkungen der Sanktionen auf die Oligarchen

Wie die bpb.de berichtet, hat die russische Invasion in die Ukraine nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die politische Elite stark beeinflusst. Die Zahl der Milliardäre in Russland stieg von 123 im Jahr 2021 auf 125 im Jahr 2024. Diese Milliardäre kontrollieren derzeit 27 Prozent des nationalen BIP, was Russland zu einer der großen Volkswirtschaften mit den meisten Oligarchen weltweit macht.

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Obwohl Sanktionen zunächst zu finanziellen Schwierigkeiten führten, konnten einige sanktionierte Milliardäre ihr Vermögen tatsächlich vergrößern. So verzeichneten 40 Prozent der sanktionierten Oligarchen Vermögenszuwächse. Hingegen erlitten 60 Prozent der nicht sanktionierten Milliardäre Verluste. Dies weist darauf hin, dass beziehungsweise welches stark unterschiedliche Auswirkungen die Wirtschaftspolitik und internationale Maßnahmen auf die verschiedenen Schichten der russischen Elite haben können.

Strukturveränderungen und staatliche Kontrolle

Das russische Wirtschaftsgefüge verändert sich ebenfalls. Die Zahl der Unternehmen mit Auslandsbeteiligung ging von 29.200 im März 2021 auf 19.300 im März 2024 zurück, was einen Rückgang um 34 Prozent bedeutet. Der Rückzug westlicher Firmen und die Neuregistrierung unter russischer Rechtsform sind Hauptgründe für diese Entwicklung. Der Staat hat auch eine aktivere Rolle in der Gestaltung von Eigentumsstrukturen übernommen, was zu einer Zunahme staatlich initiierter Enteignungen führt. Seit 2022 wurden über 100 Verstaatlichungsklagen eingereicht, die zu einer Beschlagnahmung von Vermögenswerten im Wert von etwa 2,56 Billionen Rubel (ca. 28 Milliarden US-Dollar) führten.

Die Umverteilung von Vermögen ist dabei eng mit der nationalen Sicherheitsagenda verknüpft. Der Staat nutzt Enteignungen, um private Eigentümer zu entmachten, und dies geschieht oft unter dem Vorwand nationaler Sicherheit. Ein Beispiel hierfür ist die Enteignung des Flughafens Domodedowo, dessen Eigentümer ausländische Staatsbürger sind. Die Verstaatlichung von strategischen Unternehmen und Immobilien nimmt zu, wobei fast die Hälfte aller Verstaatlichungsklagen im Jahr 2024 Immobilien betraf.

Die russische Wirtschaftselite äußert sich nur selten öffentlich zu diesen Entwicklungen, da viele aus Angst vor Repressalien ihre öffentliche Sichtbarkeit reduziert haben. Die Unternehmensführung ist zunehmend durch staatliche Kontrolle geprägt, die oft direkt von Kremlmitarbeitern auf Personalentscheidungen Einfluss nimmt. Infolgedessen wird der Fokus vieler Unternehmen stärker auf militärische Produktion und wirtschaftliche Autarkie gelegt, was langfristig die Perspektiven der russischen Wirtschaft weiter unsicher macht.