Die Polizei in Österreich plant eine umfassende Reform ihres Dienstzeitenmanagements, die im Frühjahr 2026 in fünf ausgewählten Bezirken getestet werden soll. Aktuell wird der Termin für den Start des Probebetriebs noch festgelegt, der jedoch mit dem Frühling assoziiert wird. In diesem Rahmen sollen 1.519 Exekutivbedienstete aus 63 Dienststellen, darunter 50 Polizeiinspektionen, eingebunden werden. Das Innenministerium verfolgt mit dieser Neuerung das Ziel, ein einheitliches System für Polizistinnen und Polizisten zu schaffen und die Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen zu verringern, wie die Kleine Zeitung berichtet.
Geplant ist, die maxinale Dienstzeit auf 13 Stunden am Stück zu beschränken, was dazu beitragen soll, die Arbeitsbedingungen für die Polizei flexibler und familienfreundlicher zu gestalten. Diese Reform ist mehr als nur notwendig; das aktuelle Dienstplanungsmodell ist seit über 50 Jahren unverändert und stößt zunehmend auf Unmut innerhalb der Belegschaft, wie die Nachrichten.at ausführlich darlegt. Eine Mitarbeiterbefragung aus dem Jahr 2022/2023 zeigte, dass 50% der Polizisten unzufrieden mit den bestehenden Arbeitszeiten sind, da diese oft unplanbare Überstunden und lange Dienste beinhalten.
Teststandorte und Schwerpunkte der Reform
Die ausgewählten Teststandorte umfassen unter anderem ein Wiener Stadtpolizeikommando aus der Brigittenau und die einzige Landeshauptstadt mit nur einer Polizeiinspektion, Bregenz. Diese Auswahl soll sowohl städtische als auch ländliche Herausforderungen beleuchten. Die Inspektion in Mittelberg, die nur über deutsches Staatsgebiet erreichbar ist, wird ebenfalls Teil des Tests sein. In ländlichen Regionen liegt der Fokus auf der Basisversorgung der Bevölkerung und unterschiedlichen Dienststellen-Größen.
Eine zentrale Neuerung wird die Einführung eines Überstundenpools sein, der es den Beamten ermöglichen soll, Überstunden freiwillig anzumelden. Zudem sind flexiblere Arbeitszeiten geplant, um ein besseres Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben zu fördern. Kritiker befürchten jedoch, dass der Wegfall von 24-Stunden-Diensten letztlich zu weniger Freizeit für die Beamten führen könnte, da längere Dienste auch umfangreiche Freizeiten nach sich ziehen könnten.
Gesundheitliche Aspekte und Gewerkschaftsinteressen
Die Reform wird auch vor dem Hintergrund gesundheitlicher Belastungen für die Polizeibeamten diskutiert. Zunehmende Kündigungen und ein geringeres Interesse an Schichtdiensten, insbesondere unter der Generation Z, erfordern eine dringend notwendige Überprüfung der Schichtmodelle. Die Arbeitszeitrechtsseite weist darauf hin, dass bestehende Systeme oft den arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen zur menschengerechten Gestaltung von Arbeitszeiten widersprechen. Dies ist besonders kritisch, da die EU-Arbeitszeitrichtlinie Mindestvorgaben zum Schutz der Gesundheit bei der Arbeitszeitgestaltung enthält.
Für den bundesweiten Rollout ab 2027 ist auch die Entwicklung einer App zur Dienstplanung vorgesehen, die den Beamten erlauben soll, ihren Dienst zu tauschen und die Dienstzeiten besser zu organisieren. Trotz dieser positiven Ansätze äußern Gewerkschaftsvertreter Skepsis bezüglich der Umsetzbarkeit der Reform, vor allem in Wien, wo Zweifel an der praktischen Umsetzung des neuen Systems bestehen.