Polestar, der schwedische Elektrofahrzeug-Hersteller, kündigt eine umfangreiche Produktoffensive bis 2028 an. In einer Pressemitteilung erläuterte CEO Michael Lohscheller, dass insgesamt vier neue Modelle auf den Markt kommen sollen, um die Position des Unternehmens im Elektroautomarkt zu stärken. Besonders erwähnenswert ist der geplante Launch des Polestar 5, eines viertürigen Grand Tourers, dessen Auslieferung für den Sommer 2026 vorgesehen ist. Darüber hinaus wird im vierten Quartal 2026 eine neue Variante des Polestar 4 erwartet, gefolgt von der nächsten Generation des Polestar 2 Anfang 2027. Ein weiteres Highlight wird 2028 das kompakte Premium-SUV Polestar 7 sein, das in das volumenstärkste EV-Segment Europas eintreten soll. Lohscheller betont die Herausforderungen, vor denen die Automobilindustrie steht, und die Notwendigkeit einer schnellen Expansion in wachsende Segmente.
Für das Jahr 2026 prognostiziert Polestar ein niedriges zweistelliges Absatzwachstum, während das Vertriebsnetz um 30 Prozent ausgebaut werden soll. Diese strategischen Schritte sollen dazu beitragen, das Endkundengeschäft zu stärken und die globale Wettbewerbsposition im aufstrebenden EV-Markt zu festigen. Die Situation wird durch geopolitische und wirtschaftliche Herausforderungen jedoch kompliziert, dennoch sieht sich das Unternehmen gut aufgestellt.
Finanzielle Entwicklungen bei Polestar
Die finanziellen Zahlen von Polestar zeigen eine gemischte Bilanz. Im ersten Halbjahr 2025 konnte Polestar 30.319 Fahrzeuge verkaufen, was einem Anstieg von 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um 56,5 Prozent auf 1,42 Milliarden US-Dollar, unterstützt durch höhere Einzelhandelsumsätze und den Verkauf über das Volvo-Händlernetz. Trotz des Umsatzanstiegs verzeichnete Polestar einen Nettoverlust von 1,19 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 119,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies ist teilweise auf gestiegene Vertriebskosten, Preisdruck und höhere Produktionskosten zurückzuführen.
Ein bedeutender Faktor für die Umsatzentwicklung war die Umstellung auf ein aktives Verkaufsmodell, das es dem Unternehmen ermöglicht, nicht nur online, sondern auch in physischer Form über Händler zu verkaufen. Im Laufe des Jahres 2025 wurden im Durchschnitt fünf neue Verkaufsstellen pro Monat eröffnet, ein Zeichen für das wachsende Interesse an Elektrofahrzeugen und Polestar-Modellen. Auch die Einführung höherpreisiger Modelle wie dem Polestar 3 und Polestar 4 im Jahr 2024 zeigt bereits positive Auswirkungen auf die Verkaufszahlen.
E-Mobilität in Deutschland und deren Einfluss
Im Kontext dieser Entwicklungen ist es wichtig, die aktuelle Lage der Elektromobilität in Deutschland zu betrachten. Der Bestand an Elektroautos stieg Anfang 2024 auf rund 1,7 Millionen Fahrzeuge, ein erheblicher Anstieg im Vergleich zu 2020. Dennoch verlangsamte sich das Wachstum der E-Autos im Jahr 2024 auf ein Plus von nur 17 Prozent. Diese Entwicklungen könnten sich in den kommenden Jahren ändern, insbesondere durch anstehende EU-Emissionsvorgaben und ein günstigeres Angebot, die dazu beitragen könnten, die Verkaufszahlen wieder zu steigern.
Die polarisierende Diskussion über die Zukunft von Elektrofahrzeugen wird durch geplante Regelungen der EU, die ab 2035 keine neuen Benzin- und Dieselautos mehr zulassen wollen, zusätzlich angeheizt. Polestar und andere Hersteller sehen hierin Chancen zur Expansion und Marktvergrößerung, auch wenn die Herausforderungen durch Preisdruck und steigende Produktionskosten nicht zu unterschätzen sind.
Insgesamt zeigt sich, dass Polestar mit seinen neuen Modellen und der geplanten Offensive bereit ist, sich im dynamischen Markt der Elektromobilität noch stärker zu positionieren. Während gleichzeitig die Herausforderungen und Risiken anhalten, bleibt die Frage, wie sich der Markt in den kommenden Jahren entwickeln wird, besonders im Hinblick auf gesetzliche Rahmenbedingungen und technologische Fortschritte im Bereich der E-Mobilität.