Der Petersdom in Rom steht im Mittelpunkt eines umfassenden Projekts zur technischen Überwachung und digitalen Aufbereitung, das 2025 ins Leben gerufen wurde. Der italienische Energie- und Technologiekonzern Eni übernahm die technische Verantwortung, ohne dem Vatikan Kosten in Rechnung zu stellen. Dies ist besonders bemerkenswert, da Eni bereits Erfahrungen in der Wiederherstellung erdbebengeschädigter Kirchen in L’Aquila und Norcia gesammelt hat. Historische Untersuchungen im und unter dem Petersdom haben gezeigt, dass der gigantische Bau aufgrund seines uneinheitlichen Untergrunds und des hohen Besucheraufkommens verschiedenen Gefahren ausgesetzt ist. Sichtbare Risse in einem der Vierungspfeiler wurden erstmals im 17. Jahrhundert dokumentiert, und Veränderungen im Mauerwerk wurden auch in den folgenden Jahrhunderten festgestellt.
Mit modernen Überwachungstechniken ist es nun möglich, Veränderungen im Millimeterbereich präzise zu erfassen. In den letzten Jahren gab es Berichte über Schäden im Deckengewölbe, insbesondere nach Erdbeben, da Rom sich am Rand aktiver Erdbebenregionen befindet. Aufgrund dieser Gefahren ist die laufende Überwachung des Petersdoms von wesentlicher Bedeutung.
Jubiläumsfeierlichkeiten und Zukunftsprojekte
Im Rahmen des 400. Jahrestages der Weihe des Petersdoms wird ein umfangreiches Programm angeboten. Kardinalerzpriester Mauro Gambetti hat eine Vision präsentiert, die historische Erinnerungen mit moderner Technologie verbindet. Zu den geplanten Innovationen zählen eine KI-gestützte Übersetzungs-App in 60 Sprachen sowie eine neue digitale Schriftart, die auf Michelangelos Handschrift basiert. Am 18. November 2026 wird ein feierlicher Papst-Gottesdienst den Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten darstellen.
Ein besonderes Projekt, das unter dem Motto „Oltre il visibile“ (Jenseits des Sichtbaren) läuft, ermöglicht es dem Publikum, die Geschichte und Architektur des Petersdoms auf noch nie dagewesene Weise zu erleben. Hierzu gehören auch Multimedia-Ausstellungen in neu zugänglichen Bereichen der Basilika und ein neues Buchungssystem in Echtzeit, das den Zugang steuern und Wartezeiten minimieren soll.
Digitale Angebote und Kunst
Die Digitalisierung des Petersdoms wird durch eine neu gestartete Webseite ergänzt, die in mehreren Sprachen verfügbar ist. Diese Plattform nutzt 400.000 Drohnen-Fotos, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz aufbereitet wurden, um eine digitale Erkundung des Doms zu ermöglichen. Das Projekt wurde vom Vatikan in Zusammenarbeit mit Microsoft initiiert und hat bereits international Aufmerksamkeit erregt, da Kardinal Mauro Gambetti und Microsoft-Chef Brad Smith es als einzigartig bezeichneten.
Zur Förderung des Interesses bei jungen Menschen wird zudem eine Version des beliebten Spiels Minecraft bereitgestellt, in dem der Petersdom nachgebaut wurde. Diese Initiativen zielen darauf ab, Kunst und Spiritualität des Petersdoms digital erfahrbar zu machen und die faszinierende Geschichte dieses historischen Bauwerks zu erzählen.
Darüber hinaus wird es am 20. Februar die Einweihung eines neuen Kreuzwegs des Künstlers Manuel Dürr geben. Auch musikalische Andachten mit polyphonen Gesängen sollen künftig jeden Samstagnachmittag am Kathedra-Altar stattfinden, während thematische Konferenzen für März, Mai und Oktober geplant sind.
Inmitten aller Vorhaben hat Kardinal Gambetti spekulative Ängste über die Einrichtung eines Restaurants auf dem Dach des Petersdoms zurückgewiesen und stattdessen das Wachstum der bestehenden Snackbar für Pilger und Touristen in Betracht gezogen, die aufgrund der großen Besucherströme verdoppelt werden soll.
Die Kombination aus technologischer Überwachung, digitaler Innovation und kulturellen Feierlichkeiten zeigt deutlich, wie der Petersdom nicht nur als ein symbolisches Bauwerk, sondern auch als ein lebendiger, sich entwickelnder Ort von Geschichte und Glauben präsentiert wird.