Der weltgrößte Prothesenhersteller Ottobock plant einen Börsengang in Frankfurt im Herbst 2025. Das Unternehmen mit Sitz in Duderstadt, Niedersachsen, wird von Vorstandschef Oliver Jakobi geleitet, der die Notwendigkeit der finanziellen Mittel für Investitionen in neue Technologien und den Ausbau der globalen Präsenz betont. Ottobock strebt an, die erste Neuemission im Prime Standard der Deutschen Börse im Jahr 2025 durchzuführen. Die Eigentümerfamilie Näder peilt eine Unternehmensbewertung von über 6 Milliarden Euro an und plant die Abgabe von 25 bis 30 Prozent der Aktien, während sie die Mehrheit des Unternehmens behalten möchte. Die Familie hatte kürzlich die Kontrolle über das Unternehmen zurückerlangt, nachdem sie 2024 die Minderheitsbeteiligung des schwedischen Finanzinvestors EQT zurückkaufte.
Für den Rückkauf wurden Kredite verwendet, die durch den geplanten Börsengang möglicherweise zurückgezahlt werden können. Im Rahmen des IPO plant Ottobock, neue Aktien im Wert von 100 Millionen Euro auszugeben. Der Erlös aus dem Börsengang soll dem Unternehmen zugutekommen. Unterstützung erhält Ottobock von BNP Paribas, Deutsche Bank und Goldman Sachs, die den Prozess als Joint Global Coordinators begleiten.
Finanzielle Basis und Wachstumschancen
Im Jahr 2024 erwirtschaftete Ottobock einen Umsatz von 1,43 Milliarden Euro und konnte ein bereinigtes EBITDA von 321 Millionen Euro verzeichnen. Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Umsatz um 14 Prozent auf 760 Millionen Euro, während sich das bereinigte EBITDA um etwa ein Drittel auf 175 Millionen Euro verbesserte. Finanzvorstand Arne Kreitz hebt die Wachstumsraten von 11 Prozent im Kerngeschäft von 2022 bis 2024 hervor. Das Unternehmen sieht insbesondere Chancen im Geschäft mit Exoskeletten sowie in neuen Technologiefeldern wie Neuro-Orthetik und digitalen Lösungen.
Ottobock ist nicht nur Marktführer in der Prothetik, sondern auch spezialisiert auf Neuro-Orthetik, digitale Lösungen und Exoskelette. Mit über 100 Jahren Erfahrung in der Medizintechnik betreibt das Unternehmen sechs globale F&E-Zentren und beschäftigt fast 9.300 Mitarbeiter in 45 Ländern. Zudem unterhält es das größte internationale Netzwerk von Patientenversorgungszentren mit rund 400 Standorten.
Marktentwicklung und Prognosen
Der globale Markt für Human Bionics, in dem Ottobock tätig ist, zeigt ein starkes Wachstumspotenzial. Prognosen deuten darauf hin, dass der Markt bis 2030 mit jährlichen Wachstumsraten von etwa 9% im B2B-Bereich und 5% im B2C-Bereich wächst. Für den gesamten Medizintechnik-Markt wird bis 2025 ein Umsatz von 575,71 Milliarden Euro prognostiziert, wobei der größte Umsatzanteil den medizinischen Geräten mit einem Volumen von 491,86 Milliarden Euro zufällt.
Die Medizintechnik umfasst eine Vielzahl von Geräten, die zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Es wird erwartet, dass sich die Branche dank Trends wie der Digitalisierung und Vernetzung medizinischer Geräte sowie der Entwicklung für Telemedizin weiterentwickelt. Ottobock positioniert sich strategisch für diese Veränderungen und strebt an, seine Marktposition durch den bevorstehenden Börsengang zu stärken.