Heute, am 6. Jänner 2026, feiern rund 500.000 orthodoxe Christinnen und Christen in Österreich Weihnachten. Diese Feierlichkeiten erstrecken sich über den 6. und 7. Jänner. Der Grund für diesen Unterschied im Datum liegt im verwendeten Kalender: Viele orthodoxe Kirchen befolgen den julianischen Kalender, der 13 Tage hinter dem gregorianischen Kalender zurückliegt. Daher entspricht der 25. Dezember nach julianischer Rechnung dem 7. Jänner im gregorianischen Kalender. Während einige orthodoxe Kirchen, wie die griechische, rumänische und bulgarische, Weihnachten am 24. und 25. Dezember feiern, halten die russisch-orthodoxe und serbisch-orthodoxe Kirche am 6. und 7. Jänner fest. Dies berichtet vienna.at.

In Wien wird das Fest traditionell in der russisch-orthodoxen Nikolauskathedrale eröffnet. Dort beginnt die Feierlichkeit am 6. Jänner um 18 Uhr mit der „Nachtwache des Heiligen Abends“. Später gibt es eine feierliche Nachtliturgie um 23 Uhr und am 7. Jänner folgen weitere Gottesdienste. Auch die serbisch-orthodoxe St. Sava-Kathedrale in Wien feiert am 6. Jänner mit der Weihnachtsvesper, die um 18 Uhr beginnt, gefolgt von einer Mitternachtsliturgie und der Morgenliturgie am 7. Jänner. Die serbisch-orthodoxen Christen stellen mit rund 350.000 Mitgliedern die größte Gruppe orthodoxer Gläubiger in Österreich dar.

Feierlichkeiten und Bräuche

Orthodoxe Feiern unterscheiden sich in einigen Traditionen von westlichen Formen des Weihnachtsfestes. Am 6. Jänner wird in den Kirchen Eichenzweige, auch bekannt als Badniak, verbrannt, was die Geburt Christi symbolisiert. Der 7. Jänner beginnt mit einer morgendlichen Weihnachtsliturgie, gefolgt von einem traditionellen Festmahl, das häufig Cesnica (eine Art Brot) und Spanferkel beinhaltet. Auch andere orthodoxe Gemeinschaften, wie die rumänisch-orthodoxe Gemeinde, feiern an diesen Tagen, unter anderem in Wolfurt und Feldkirch.

Besonders in Vorarlberg gibt es zwei serbisch-orthodoxe Kirchengemeinden, die dem Bistum Österreich-Schweiz unterstehen. Die Pfarre „Hl. Konstantin und Helena“ in Bregenz nutzt die katholische Kirche St. Gebhard, während in Feldkirch eine serbisch-orthodoxe Kirche im ehemaligen Gebäude der Frauenkirche zu finden ist. Orthodoxe Bräuche in Österreich, wie das Verbrennen des Badniak und die Zubereitung der Cesnica, verleihen dem Weihnachtsfest einen einzigartigen Charakter.

Historischer Kontext und Bedeutung

Die Feierlichkeiten vollziehen sich vor dem Hintergrund einer langen Tradition innerhalb der orthodoxen Kirchen, die ihren Ursprung weit in die Geschichte zurückverfolgen können. Der julianische Kalender wurde von Julius Cäsar eingeführt, während der gregorianische Kalender im Jahr 1582 von Papst Gregor XIII. zur Korrektur von Ungenauigkeiten entstand. Der Unterschied im Datum führt dazu, dass Milliarden orthodoxer Gläubige ihre Weihnachtszeit erst im Jänner feiern, während in vielen westlichen Kulturen die Feiern bereits abgeschlossen sind. Diese Umstände verdeutlichen, warum für Millionen orthodoxer Christinnen und Christen Weihnachten erst jetzt beginnt. Religiöse Feste und Bräuche waren in Ländern wie Russland nach der Oktoberrevolution des Jahres 1917 für lange Zeit verboten. Viele Traditionen wurden verschoben oder komplett eingestellt, bis nach dem Zerfall der Sowjetunion die Möglichkeit zur Feier des orthodoxen Weihnachtsfestes am 6. und 7. Jänner wiederhergestellt wurde, und die Kirche den julianischen Kalender beibehielt.

Zusätzlich zu den festlichen Gottesdiensten dürfen orthodoxe Gläubige in der Fastenzeit, die 40 Tage vor Weihnachten beginnt, keine tierischen Produkte konsumieren. Am Heiligen Abend, der in der russisch-orthodoxen Tradition „Sochelnik“ genannt wird, wird das Fasten erst nach dem Erscheinen des ersten Sterns gebrochen. Gemeinsam wird das Festessen oft mit zwölf verschiedenen Gerichten, darunter typische Speisen wie Kutja, einem süßen Brei, begangen.

Selbstverständlich gibt es je nach Region unterschiedliche Traditionen, doch der Kern der Feierlichkeiten bleibt ähnlich; es wird die Geburt Jesu Christi mit Gebet, Liturgie und gemeinsamem Leben gefeiert. Diese Facetten des orthodoxen Weihnachtsfestes zeigen, dass die tief verwurzelten Traditionen und Bräuche bis heute eine bedeutende Rolle im Leben der Gläubigen spielen.