Der Österreichische Rundfunk (ORF) befindet sich derzeit in einer schweren Führungskrise, die durch die Veröffentlichung eines neuen Transparenzberichts zusätzlich angeheizt wird. Dieser Bericht, der gesetzlich vorgeschrieben ist, gibt Einblicke in die Gehälter der Spitzenverdiener des Unternehmens und offenbart, dass die Summe der Gehälter die 15 Millionen Euro-Marke übersteigt. Die Finanzierung dieser Gehälter erfolgt durch den ORF-Beitrag, der pro Haushalt 183,60 Euro jährlich beträgt. Aktuell tragen rund 83.000 Haushalte diese Kosten, was in etwa der Einwohnerzahl der Stadt Salzburg entspricht. Der Anteil der Top-Verdiener ist von 73 auf über 60 gesunken.
Top-Verdiener des ORF ist nun Pius Strobl, der mit monatlich rund 33.000 Euro sein Einkommen erzielt und gleichzeitig um eine Luxuspension von über 2,4 Millionen Euro kämpft. Ingrid Thurnher als neue ORF-Chefin steht mit 270.270 Euro zwar hoch im Gehaltsranking, kann jedoch nicht zu den Top 5 gezählt werden. Robert Kratky, der vorherige Spitzenverdiener, hat sich aufgrund eines Burnouts zurückgezogen. Hannes Aigelsreiter, der Sportchef, verdient mit knapp 340.000 Euro jährlich und belegt damit den dritten Platz, obwohl er den ORF bereits im Januar verlassen hat. Waltraud Langer, Direktorin des ORF Salzburg, führt die Liste der Landeskaiser mit einem monatlichen Gehalt von 18.500 Euro an.
Gehälter und Nebeneinkünfte
Die neuen Zahlen werfen Fragen auf, insbesondere zu den Nebenverdiensten der Spitzenverdiener. Armin Wolf hat sich in diesem Bereich an die Spitze gesetzt. Zusätzlich müssen diese Top-Verdiener für das laufende Jahr mit einer Nulllohnrunde auskommen, was die Diskussion über die Angemessenheit ihrer Gehälter weiter anheizt.
Der ORF hat im Rahmen der Gehalts-Offenlegung 71 Personen aufgeführt, die mehr als 170.000 Euro jährlich verdienen, 13 mehr als im vergangenen Jahr. Diese Zahlen beinhalten Zulagen und die zunehmende Zahl ist eine Konsequenz der Nichtrückführung der gesetzlichen Grenze zur namentlichen Veröffentlichung. Weniger als zwei Prozent der Belegschaft sind von dieser Regelung betroffen.
Finanzielle Herausforderungen und Sparpakete
In einem breiteren Kontext hat der ORF in den Jahren vor der Veröffentlichung des Berichts bereits 20 Millionen Euro im Personalbereich eingespart. Das Unternehmen plant, die Kosten nachhaltig zu senken und Personal zu günstigeren Konditionen nachzubesetzen. Über zehn der genannten Spitzenverdiener haben den ORF bereits verlassen oder werden dies bald tun. Medienminister Andreas Babler kritisiert die hohen Gehälter und fordert Maßnahmen von der ORF-Führung, während die ÖVP auf Sparpotenziale hinweist. Auch die FPÖ spricht von „Gehaltsexzessen“ und fordert eine grundlegende Reform des ORF sowie die Abschaffung der Haushaltsabgabe.
Aktuell befindet sich der ORF im Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit, sein geschäftliches Überleben zu sichern und der Forderung nach mehr Transparenz und Fairness bei den Gehältern.
Während der ORF für das Jahr 2024 hohe Werbeeinnahmen verzeichnete, mit einer Rekordsumme von rund 76 Millionen Euro für ORF2, bleibt die finanzielle Zukunft unsicher. Der ORF-Beitrag bleibt bis 2029 eingefroren, was dem Unternehmen voraussichtlich etwa 220 Millionen Euro entgehen lassen wird. Um den gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, hat der ORF ein umfangreiches Sparpaket von 325 Millionen Euro bis 2026 beschlossen.
Für den ORF steht eine kritische Phase bevor, in der sowohl interne als auch externe Herausforderungen bewältigt werden müssen.
Für weitere Details zu den finanziellen Aspekten des ORF und den aktuellen Entwicklungen lesen Sie die Artikel auf exxpress.at und orf.at.




