Der überraschende Rücktritt von Roland Weißmann, dem Generaldirektor des ORF, hat in Österreich für großes Aufsehen gesorgt. Am 8. März 2026 gab der Medienmanager seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung bekannt. Dies geschah nach Vorwürfen sexueller Belästigung, die von einer ORF-Mitarbeiterin gegen ihn erhoben wurden. Diese Vorwürfe wurden durch diverse Beweismaterialien, darunter Schrift-, Ton- und Bildmaterial, untermauert, wie der Stiftungsrats-Vorsitzende Heinz Lederer mitteilte. Die betroffene Mitarbeiterin hatte zudem keine finanzielle Entschädigung gefordert, sondern einzig den Rücktritt Weißmanns. Trotz der schweren Anschuldigungen wies Weißmann die Vorwürfe entschieden zurück.
„Weißmann hat sich entschieden zurückzutreten, um Schaden vom ORF abzuwenden“, erläutert Lederer. Dies passiert in einem Kontext, in dem der mutmaßliche Vorfall mehrere Jahre zurückliegt, kurz nach Beginn von Weißmanns Amtszeit im Jahr 2022. Sein Anwalt, Oliver Scherbaum, bemängelte, dass der konkrete Sachverhalt nicht vollständig vorgelegt wurde und zudem eine inhaltliche Prüfung der Vorwürfe nicht stattfand. Er kündigte an, dass die mediale Berichterstattung als überschießende Reaktion auf diese Vorwürfe bewertet werden muss.
Übernahme der ORF-Führung
Der Stiftungsrat wird eine neue Wahl für den Generaldirektor wie geplant durchführen, wobei die Übernahme der Führung im Januar 2027 erfolgen soll. Stiftungsratsvorsitzender Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze betonen die Notwendigkeit einer raschen und transparenten Aufklärung der Vorwürfe. Sie setzen den Schutz der betroffenen Person an oberste Stelle.
In der Übergangszeit wird Thurnher vorläufig die Geschäfte des Generaldirektors leiten. Medienberichten zufolge könnte die Ausschreibung zur Wahl der Generalintendanz bereits am 1. Mai erfolgen, mit der Wahl selbst am 11. August 2026.
Politische Reaktionen und Forderungen
Die politischen Reaktionen zu Weißmanns Rücktritt sind vielfältig. SPÖ und ÖVP fordern eine umfassende Aufklärung und Transparenz im Nachbesetzungsverfahren. Medienminister Andreas Babler von der SPÖ sieht den Rücktritt als notwendigen Schritt und äußert den Wunsch, dass eine Frau die Nachfolge antreten möge. Die FPÖ kritisiert derweil, dass zwischen dem ORF und der Regierung mehr Distanz geschaffen werden müsse, während die NEOS betonen, dass die Beurteilung der Vorwürfe in der Verantwortung der zuständigen Institutionen liege.
Grünen-Mediensprecherin Sigrid Maurer bezeichnet den Rücktritt als wichtigen Schritt zum Schutz des ORF und sieht ihn im Kontext der Dringlichkeit, strukturelle Probleme innerhalb des Unternehmens anzugehen.
Der gesamte Vorfall wirft Fragen zu den internen Abläufen im ORF auf, insbesondere im Umgang mit Beschwerden und Konflikten. Entsprechende Richtlinien, wie sie etwa an Universitäten entwickelt werden, könnten eine Orientierung zur Bewältigung von Fehlverhalten bieten. Beispielsweise gibt es unterschiedliche Verfahren zur neutralen oder konsensualen Beratung, die zur Klärung solcher Konflikte beitragen könnten, wie sie in verschiedenen institutionellen Rahmenwerken vorgesehen sind und die möglicherweise auch zur Wahrung der Rechte aller Betroffenen dienen könnten.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird, und ob die durch den Rücktritt aufgeworfenen Fragen hinreichend geklärt werden können.
Weitere Details zu den Entwicklungen bieten die Berichte von exxpress, orf und Unify.