Ungarns Parlamentswahl steht bevor: Am 12. April 2026 wird ein neues Parlament gewählt, und die politischen Vorzeichen deuten auf einen spannenden Wettkampf hin. Der amtierende Ministerpräsident Viktor Orbán sieht sich einem starken Herausforderer gegenüber, der die neue Oppositionspartei Tisza anführt.

Politik-Experte Szabolcs Dull äußert, dass Orbán möglicherweise die Macht abgeben wird, sollten die Umfragen sich bestätigen. Laut Dull hat Orbán die Absicht, die Wahl auf demokratischem Weg zu gewinnen, ohne sich „um jeden Preis an die Macht zu klammern“. Wenn seine Unterstützung in der Bevölkerung schwindet, erwartet Dull, dass er abtritt. In aktuellen Umfragen liegt die Tisza-Partei mit 47 % vor Fidesz, Orbáns Partei, die bei 39 % steht. Dies könnte für Orbán eine der schwierigsten Wahlen seiner Karriere werden.

Die politische Landschaft und Umfragen

Regierungsnahe Umfrageinstitute berichten von einem komfortablen Vorsprung für Orbán, während unabhängige Institute ein anderes Bild zeichnen, das die Tisza-Partei teils deutlich in Führung sieht. Umfrageinstitute wie Medián, Závecz, IDEA und 21 Research Centre zeigen die Tisza-Partei mit einem Vorsprung von 7 bis 16 Punkten. Bei den letzten Wahlen 2022 erzielte Fidesz sogar eine Zweidrittel-Mehrheit mit 54 %. Doch die Unsicherheit Orbáns in Bezug auf seine Wiederwahl ist vor dem Hintergrund dieser neuen Umfragen deutlich spürbar.

Die Tisza-Partei, unter dem ehemaligen Fidesz-Mitglied Péter Magyar, hat bei der EU-Wahl 2024 fast 30 Prozent der Stimmen erzielt. Magyar, der auffallend jünger als Orbán ist, kritisiert dessen geostrategische Entscheidungen, insbesondere in Bezug auf die Beziehungen zu Russland und die Blockade von EU-Sanktionen. Während Orbán die Opposition als „Schöpfung“ des Auslands bezeichnet, versucht Magyar, mit seinem Wahlkampf, der in Kleinstädten und Dörfern stark präsent ist, Vertrauen bei der Bevölkerung aufzubauen.

Die Herausforderungen und mögliche Folgen

Fälle wie der Rücktritt von Judit Varga, Orbáns einstiger Justizministerin, aufgrund eines Skandals, könnten zusätzliche Herausforderungen darstellen. Dull sieht die Gefahr von Gerrymandering und der Nutzung staatlicher Kommunikation, ohne in diesem Kontext von rechtlichem Betrug zu sprechen. Ein Wahlsieg von Magyar hätte das Potenzial, die von Orbán dominierte Struktur öffentlicher Institutionen erheblich herauszufordern.

Magyar verfolgt dabei eine pro-europäische Agenda, was in der aktuellen politischen Konstellation von Bedeutung ist. Dull prognostiziert auch, dass ein pragmatisches Verhältnis zu Ländern wie den USA, Russland und China unter einer neuen Regierung möglich wäre.

Die Wahl zeichnet sich nicht nur durch die innenpolitischen Spannungen aus, sondern auch durch den Kontext internationaler Bezüge wie den Ukraine-Krieg. Ein möglicher Machtwechsel könnte tiefgreifende Auswirkungen auf Ungarns Position innerhalb der EU und der NATO haben. Orbán, unterstützt von anderen autoritären Bewegungen, versucht, unliebsame Gegner wie Magyar mit diffamierenden Vorwürfen zu stoppen.

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, nicht nur für die Zukunft Orbáns, sondern auch für die politische Landschaft Ungarns insgesamt. Ob sich die Prognosen bestätigen und Magyar einen Kurswechsel einleiten kann, bleibt abzuwarten.