Der Konflikt zwischen Pakistan und den Taliban in Afghanistan hat sich in den letzten Tagen dramatisch verschärft. Pakistanische Luftangriffe auf militärische Ziele in Afghanistan, darunter Städte wie Kabul und Kandahar, sind die unmittelbare Ursache für die Zuspitzung der Lage. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach von einem „offenen Krieg“ mit den Taliban, nachdem die angreifenden Truppen erst kürzlich schwere Verluste gegen die afghanischen Kräfte erlitten hatten. Pakistan wirft den Taliban vor, militante Gruppen wie die Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) zu unterstützen, die in den letzten Jahren für zahlreiche Anschläge in Pakistan verantwortlich waren. Diese Vorwürfe werden von den Taliban vehement zurückgewiesen.

Die Situation ist besonders angespannt, da die Taliban, die 2021 nach dem Abzug der US-Truppen erneut die Kontrolle über Kabul übernahmen, im aktuellen Konflikt mit Pakistan zu Verhandlungen bereit sind. Pakistan hingegen sieht sich als Opfer von Unruhen, die durch die Afghanen verursacht werden, und hat die Luftschläge als Reaktion auf Übergriffe afghanischer Kräfte gerechtfertigt. Beide Seiten berichten von schwerem Personalschaden: Die afghanische Regierung meldet den Tod von mindestens 55 pakistanischen Soldaten, während Pakistan 133 afghanische Kämpfer als getötet angibt. Unabhängige Bestätigungen dieser Zahlen fehlen jedoch.

Reaktionen und Eskalation

Die Angriffe der pakistanischen Luftwaffe richteten sich nicht nur gegen militärische Stellungen, sondern auch gegen Hauptquartiere und Munitionsdepots der Taliban. Laut UNAMA wurden bei diesen Luftangriffen 13 Zivilisten getötet und 7 weitere verletzt. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid bestätigte die Angriffe auf der Plattform X und bezeichnete sie als Gegenoffensive. Ein Waffenstillstand, der im Oktober 2025 unter Vermittlung von Katar und der Türkei vereinbart wurde, ist nach diesem neuesten Konflikt offenbar gescheitert.

Der Hintergedanke der militärischen Auseinandersetzungen liegt in der angestiegenen Gewalt und den anhaltenden Spannungen zwischen beiden Ländern. Die Grenzziehung der Durand-Linie, die von Pakistan als Staatsgrenze betrachtet wird, ist seit jeher umstritten. Die Grenzregion ist von ethnischen Konflikten geprägt, und die Loyalitäten vieler Paschtunen ziehen sich über die Grenze. Pakistan hat daher begunnen, Grenzzäune zu errichten, was die Situation zusätzlich belastet.

Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung

Die Situation hat auch humanitäre Dimensionen. Aktuelle Berichte schildern, dass in Pakistan Ende 2023 rund vier Millionen afghanische Flüchtlinge lebten. Diese Zahl hat sich durch massenhafte Abschiebungen halbiert. Pakistan argumentiert, dass diese Flüchtlinge eine Belastung für die Staatskasse darstellen. Humanitäre Organisationen kritisieren jedoch die Rückführungen, da viele Rückkehrer in Afghanistan Verfolgung und Armut ausgesetzt sind.

Zusätzlich hat die Gewalt in den letzten Jahren zu einer massiven Verschlechterung der Beziehungen zwischen Afghanistan und Pakistan geführt. Während beide Seiten nach einer Stabilisierung streben, ist die Aussicht auf kurzfristige Lösungen in Anbetracht der Komplexität des Konflikts und der unterschiedlichen Interessen der beteiligten Akteure gering.

Die Unterstützung der USA für Pakistan als wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten in der Region könnte den Verlauf der weiteren Auseinandersetzungen beeinflussen. Die Taliban, erfahrener Guerillakriegsführung, stehen jedoch vor einer gewaltigen Herausforderung durch die militärische Überlegenheit Pakistans.

Insgesamt bleibt die Lage zwischen Pakistan und Afghanistan angespannt und komplex, während internationale Akteure wie Katar, die Türkei, China, Iran, Saudi-Arabien und Russland weiterhin eine Mediation anstreben, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen.

Kleine Zeitung berichtet, dass die Taliban Zusagen zur Terrorismusbekämpfung nicht eingehalten haben. Weitere Details zu den militärischen Aktionen und Verlusten finden sich bei Tagesschau, während DW die historische und regionale Dynamik hinter dem Konflikt beleuchtet.