Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass das weibliche Geschlechtshormon Östrogen eine entscheidende Rolle bei der Schmerzempfindlichkeit des Darms spielt. Dies könnte erklären, warum Frauen dreimal häufiger als Männer am Reizdarmsyndrom (RDS) leiden. Diese Erkenntnisse stammen von einer Wissenschaftlergruppe um David Julius von der Universität San Francisco und wurden in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht (Dolomitenstadt).
Die Forschung zeigt, dass vor allem prämenstruelle Phasen und Schmerzspitzen vor der Ovulation sowie in der Spätschwangerschaft häufig mit RDS-Beschwerden einhergehen. Frauen berichten von Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen und Veränderungen des Stuhlverhaltens, die ohne nachweisbare organische Ursachen auftreten (Ärzteblatt). Die Symptome schränken nicht nur die Lebensqualität erheblich ein, sondern können auch zu einem negativen Selbstbild und Body-Shaming führen, da viele Frauen sich wegen ihres aufgetriebenen Bauches unattraktiv fühlen (Ernährungsberatung bei Autoimmunerkrankheiten).
Wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre Auswirkungen
In Tierexperimenten an Mäusen hat die Forschergruppe festgestellt, dass weibliche Mäuse empfindlicher auf Schmerzen im Darm reagieren als ihre männlichen Artgenossen. Interessanterweise wurde bei weiblichen Mäusen, die nach der Entfernung der Eierstöcke beschwerdefrei waren, eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit durch Östrogen beobachtet. Diese Reaktion war auch bei männlichen Mäusen zu beobachten, wenn sie Östrogen ausgesetzt waren, was vermuten lässt, dass das Hormon einen Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung hat (Dolomitenstadt).
Zusätzlich wurden in früheren Studien die enterochromaffinen Zellen im Dickdarm als schmerzverursachend identifiziert, wobei Serotonin als Neurotransmitter eine Schlüsselrolle spielt. Östrogenrezeptoren wurden zwar in der Darmschleimhaut gefunden, jedoch nicht auf den EC-Zellen, sondern auf benachbarten L-Zellen, die auch Hormone zur Appetitregulation produzieren. Ein weiteres interessantes Ergebnis zeigt, dass bei Mäusen ohne Eierstöcke die Östrogeninjektion die PYY-Konzentration im Blut erhöht, was auf eine komplexe Interaktion zwischen Östrogen und den Darmschmerzzellen hinweist (Ärzteblatt).
Schlussfolgerungen und mögliche Behandlung
Die Forschung lässt die Vermutung aufkommen, dass Östrogene während der Schwangerschaft möglicherweise einen evolutionären Nutzen hatten, um für die Schwangeren vor verdorbener Nahrung zu schützen. Die Erkenntnisse könnten auch neue Ansätze für die Behandlung von RDS liefern. Man erwägt Diäten und medikamentöse Interventionen, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Frauen, die unter RDS leiden, wie die 32-jährige Katja D. oder die 24-jährige Juliane T., berichten von langwierigen diagnostischen Verfahren und der Scham, offen über ihre Beschwerden zu sprechen. Diese persönlichen Schilderungen verdeutlichen die Dringlichkeit neuer Therapieansätze und eine verbesserte Aufklärung über die Erkrankung (Ernährungsberatung bei Autoimmunerkrankungen).