Die gegenwärtigen Handelsbeziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union stehen vor einer kritischen Wende. Am 23. Februar 2026 sieht Wolfgang Hattmannsdorfer, Österreichs Wirtschaftsminister, den Aufschub des transatlantischen Zolldeals als angemessene Reaktion auf die jüngsten Turbulenzen in den USA. Dies folgt einem Urteil des US-Supreme Court, das US-Präsident Donald Trump untersagt, weitreichende Zölle unter dem Notstandsgesetz IEEPA zu verhängen. Die US-Zollbehörde hat angekündigt, entsprechende Sonderabgaben auszusetzen, während Trump einen neuen globalen Zollsatz von 10-15% in Aussicht stellte. Hattmannsdorfer fordert eine strategische Neuaufstellung Europas, um die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren und die Handelsbeziehungen breiter aufzustellen.

Der Minister hebt hervor, dass die laufenden Freihandelsverhandlungen, insbesondere mit Südostasien und der Golfregion, schnell abgeschlossen werden sollten. Bereits verhandelte Abkommen mit Mercosur und Indien sollten ebenfalls zügig ratifiziert und umgesetzt werden. Hattmannsdorfer plädiert für eine aktivere europäische Industriepolitik und mehr Unterstützung für „Made in Europe“. Die Notwendigkeit, europäische Beihilfen und Beschaffungsrecht so zu gestalten, dass sie die heimische Wertschöpfung stärken und nicht die internationale Konkurrenz fördern, sei von zentraler Bedeutung.

Der Zolldeal zwischen EU und USA

Der aktuelle Stand des angestrebten Zolldeals zwischen der EU und den USA ist ebenfalls von Unsicherheit geprägt. Im Sommer 2025 wurde eine politische Einigung zwischen Ursula von der Leyen und Donald Trump über Zölle und Handel erzielt, die auf eine Verbesserung des Marktzugangs und die Stabilität für Bürger und Unternehmen abzielt. Allerdings wurde die Ratifizierung des Handelsabkommens aufgrund der neu angekündigten Zölle von Trump ausgesetzt. Hattmannsdorfer und andere EU-Vertreter wünschen sich Klarheit über die rechtliche Situation in den USA, insbesondere nach dem Urteil des Supreme Court, das die Grundlagen des geplanten Abkommens infrage stellt.

Der bilaterale Handel zwischen der EU und den USA hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. 2024 betrug der Handelswert rund 1,7 Billionen Euro, wobei der tägliche Handelswert über 4,2 Milliarden Euro liegt. Die Zusammenarbeit der beiden Wirtschaftsräume soll die wirtschaftliche Sicherheit und die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten stärken. Die EU beabsichtigt, in den nächsten drei Jahren US-amerikanische Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden USD zu beschaffen, und plant den Erwerb von KI-Chips im Wert von 40 Milliarden Euro.

Wirtschaftliche Auswirkungen auf Österreich

Die wirtschaftlichen Beziehungen Österreichs zu den USA sind ebenfalls relevant, da das Land 2024 Waren im Wert von rund 191 Milliarden Euro exportierte und Güter im Umfang von 188 Milliarden Euro importierte. Dies ergibt einen Außenhandelsüberschuss von über zwei Milliarden Euro. Rund zwei Drittel des österreichischen Außenhandels fallen auf EU-Staaten, wobei Deutschland, die USA, Italien, die Schweiz und Polen als die wichtigsten Exportmärkte hervorgehoben werden.

Die Aussetzung des Zolldeals und die Ungewissheit bezüglich der zukünftigen Handelspolitik stellen eine Herausforderung für die europäische Wirtschaft dar. Hattmannsdorfer betont die Notwendigkeit einer strategischen Neuorientierung und einer starken Haltung gegenüber den USA, um die Interessen Europas bestmöglich zu vertreten.