Österreich hat mit der Vorstellung seines ersten militärischen Satelliten, BEACONSAT, einen bedeutenden Schritt in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik vollzogen. Kleine Zeitung berichtet, dass BEACONSAT darauf abzielt, Störsender zu identifizieren und Daten über „Jamming“ zu sammeln. Jamming kann militärische Truppen bei der satellitengestützten Navigation (GNSS) orientierungslos machen und stellt ein erhebliches Risiko für militärische Operationen dar.

Das Projekt ist nicht nur national von Bedeutung, sondern erlangt auch internationale Relevanz, da es Erkenntnisse über „Spoofing“ gewinnen will. Spoofing, das im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine als kritisch betrachtet wird, kann militärische Einsätze erheblich beeinflussen. Innenministerin Tanner betonte die Sicherheits- und verteidigungspolitische Relevanz des Projekts, welches dem Schutz von Soldaten dienen und die Abhängigkeit von Drittstaaten verringern soll.

Finanzierung und Entwicklung

Die Kosten für die Entwicklung und Inbetriebnahme von BEACONSAT belaufen sich auf 1 Million Euro, wobei die Europäische Weltraumorganisation (ESA) mit 500.000 Euro unterstützt. Die Gesamtkosten des Projekts sind jedoch nicht bekannt. LEITEN wird von der GATE Space GmbH, einem Spin-Off der Technischen Universität Wien, verantwortet, die mit Partnern wie Space Inventor und IGASPIN zusammenarbeitet. Der Satellit ist mit 450 mm Höhe, 300 mm Länge und Breite der größte, der in Österreich entwickelt wurde.

Der geplante Starttermin ist Februar 2027, wobei die Falcon 9-Rakete von SpaceX vom Vandenberg Space Force Base in Kalifornien starten soll. BEACONSAT wird voraussichtlich in einer Umlaufbahn zwischen 500 und 2000 km über der Erdoberfläche operieren und soll für ein Jahr aktiv sein, mit der Möglichkeit einer Verlängerung auf bis zu fünf Jahre. Im Rahmen des LEO2VLEO-Projekts werden außerdem drei Satelliten in Höhen zwischen 200 und 500 km fliegen, um die Kommunikation und Lagebilder zu verbessern.

Technologische Herausforderungen

Störungen der Satellitennavigationssysteme sind in den letzten Jahren häufig geworden und sind oft in gewollte und ungewollte Störungen unterteilt. Letztere können durch technische Mängel verursacht werden, während gewollte Störungen als illegale Aussendungen falscher Navigationssignale klassifiziert werden. Die Erkennung solcher Störungen ist herausfordernd, da die echten Signale oft schwach sind und sich im Rauschen verstecken. EMCP berichtet, dass die Anforderungen an GNSS-Jammer/Spoofer-Detektoren komplex sind und in der Praxis nur schwer zu erfüllen sind.

Dennoch haben Prof. Dr. Otto Koudelka und Dr. Manfred Wittig, beide in der EU-Weltraumorganisation aktiv, ein System entwickelt, das diese Anforderungen erfüllen kann. Dieses System wurde erfolgreich unter kontrollierten Bedingungen getestet, was das Potenzial für zukünftige Anwendungen in der militärischen und zivilen Nutzung eröffnet.

Globale Sicherheitslage

Auf internationaler Ebene sind Störungen des GPS-Navigationssystems, insbesondere über der Ostsee und in den baltischen Staaten, an der Tagesordnung. Laut BR werden in diesen Gebieten täglich mehrere Hundert Vorfälle verzeichnet. NATO-Experten machen Russland für viele dieser Übergriffe verantwortlich, während Russland die Vorwürfe als unberechtigte Propaganda zurückweist. In Deutschland sind hingegen bislang wenige Vorfälle von großflächiger GPS-Datenmanipulation bekannt, allerdings sind die deutschen Luftlinien indirekt betroffen, da ihre Routen oft durch betroffene Gebiete führen.

Die parallele Entwicklung von Technologien, die gegen Jamming und Spoofing wirken, ist für die Sicherheit im Luftverkehr entscheidend. Unternehmen wie Lufthansa Systems implementieren KI-gestützte Systeme zur Detektion dieser Störungen in die Navigationssysteme ihrer Flugzeuge.