In Österreich zeigt sich 2026 eine steigende Offenheit der Beschäftigten für Jobwechsel. Laut der Wechselwilligkeitsstudie sind 48 Prozent der unselbstständig Beschäftigten bereit, den Arbeitgeber zu wechseln, was einem Anstieg von vier Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Acht Prozent planen konkret einen Wechsel, während 40 Prozent dies in Erwägung ziehen. Die Langzeitbindung an den aktuellen Arbeitgeber ist ebenfalls gegeben: 60 Prozent der Befragten möchten langfristig bleiben, während rund 30 Prozent sich gar vorstellen können, bis zur Pensionierung dort zu arbeiten. Diese Entwicklungen werden durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Leadersnet berichtet, dass Hauptgründe für Wechselgedanken ein zu niedriges Gehalt (43 Prozent) und hoher Stress (33 Prozent) sind.

Die Wechselwilligkeit variiert deutlich nach Altersgruppen. Während 61 Prozent der 18- bis 29-Jährigen einen Wechsel planen oder erwägen, sind es in der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen 50 Prozent und bei den Über-50-Jährigen lediglich 38 Prozent. Zudem sind 51 Prozent der Männer wechselbereit, während 45 Prozent der Frauen dies befürworten. Die Studie zeigt auch, dass 83 Prozent der Befragten kaum Sorgen vor einer Kündigung im Jahr 2026 haben und 61 Prozent glauben, in den nächsten sechs Monaten einen neuen Job finden zu können.

Erwartungen an neue Arbeitgeber

Die Erwartungen an neue Arbeitgeber sind klar definiert. 70 Prozent der Befragten wünschen sich ein höheres Gehalt, während 62 Prozent eine langfristige Jobsicherheit erwarten. Flexible Arbeitszeiten und ein gut erreichbarer Standort sind für 55 beziehungsweise 54 Prozent ebenfalls von Bedeutung. Dennoch würden 47 Prozent sich trotz besserer Bezahlung nicht auf eine Stelle bewerben, wenn der Standort ungünstig ist. Die Bedeutung einer guten Führungskultur wird ebenfalls hervorgehoben: 43 Prozent der Befragten geben an, dass eine schlechte Führungskultur sie von einer Bewerbung abhalten würde.

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Österreich dynamischer auf die Wechselwilligkeit reagiert als Deutschland. Eine Forsa-Studie zur Wechselwilligkeit in Deutschland meldet, dass nur 36 Prozent der Befragten offen für einen Jobwechsel sind, wobei 7 Prozent konkrete Wechselpläne haben. Hier zeigen vor allem die jüngeren Arbeitnehmer (18-29 Jahre) mit 48 Prozent die höchste Wechselbereitschaft. Der Hauptgrund für einen Jobwechsel ist hier ebenfalls ein zu geringes Gehalt (38 Prozent), gefolgt von hohem Stress und Unzufriedenheit mit dem direkten Vorgesetzten (jeweils 36 Prozent). HR Blue ergänzt diese Erkenntnisse um die Beobachtung, dass 85 Prozent der Beschäftigten in Deutschland mit ihrer Tätigkeit zufrieden sind, dennoch aber über einen Wechsel nachdenken.

Weiterführende Aspekte der Wechselmotivation

Zusätzlich zeigt eine Studie von EY, dass 26 Prozent der Befragten aktiv oder gelegentlich nach neuen Jobangeboten suchen. Hierbei ist besonders auffällig, dass 41 Prozent der 21- bis 35-Jährigen auf der Suche nach neuen Möglichkeiten sind. In der Automobilbranche gaben 35 Prozent an, aktiv zu suchen, im Finanzsektor waren es nur 11 Prozent. Die wahrgenommene Sicherheit des Arbeitsplatzes hat sich jedoch verschlechtert: Nur 35 Prozent der Befragten einstufen ihren Arbeitsplatz als „sehr sicher“. Dies steht im starkem Kontrast zu den Werten von 2017, als 53 Prozent diese Einschätzung abgaben. EY betont, dass auch die Unternehmenskultur eine Rolle spielt – 23 Prozent der Wechselwilligen geben an, aufgrund einer schlechten Unternehmenskultur nach Alternativen zu suchen.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sowohl in Österreich als auch in Deutschland die Wechselbereitschaft stark von Gehaltsfragen und der Zufriedenheit mit der Führung in den Unternehmen geprägt ist. Angesichts der sich wandelnden Arbeitswelt stehen Arbeitgeber vor der Herausforderung, attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen, um ihre Talente langfristig zu binden.