Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat erneut alarmierende Berichte über unbezahlte Überstunden veröffentlicht. Die Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth äußerte sich kritisch zu den Folgen dieser Praxis, die nicht nur die Arbeitnehmer:innen, sondern auch die Volkswirtschaft stark belasten. Laut 5min.at bleiben in Österreich ein erheblicher Teil der geleisteten Arbeit unbezahlt. Diese unbezahlten Überstunden summieren sich auf 2,5 Milliarden Euro brutto, die den Beschäftigten entgehen.
Die vom ÖGB veröffentlichten Zahlen beruhen auf Daten von Statistik Austria und zeigen, dass von insgesamt rund 170 Millionen geleisteten Über- und Mehrstunden lediglich 45,9 Millionen nicht bezahlt oder durch Zeitausgleich ausgeglichen wurden. Im Jahr 2024 wurden weiterhin etwa 42,3 Millionen unbezahlte Überstunden registriert, was die Schwere des Problems deutlich macht. Auch die Staatskasse leidet unter dieser Situation, da 1,23 Milliarden Euro an Steuern und Beiträgen entgehen.
Die Dimension des Problems
Doch die Situation zeigt sich nicht nur auf dem Papier, sondern hat auch praktische Auswirkungen für zahlreiche Beschäftigte. Im Jahr 2023 leisteten Arbeitnehmer:innen insgesamt 168,9 Millionen Mehr- und Überstunden, wobei jede vierte Stunde nicht abgegolten wurde. Dies sind laut AK-Aktuell etwa 42,3 Millionen Stunden, die ohne entsprechende Entlohnung blieben, was rund 2,3 Milliarden Euro an Bruttolöhnen entspricht. Zwei Drittel dieser unbezahlten Mehr- und Überstunden wurden von Männern geleistet, während ein Drittel auf Frauen entfällt, die ebenfalls oft ohne Gegenleistung arbeiten müssen.
Die arbeitsrechtliche Lage ist komplex. Nach dem Arbeitszeitgesetz (AZG) haben Arbeitnehmer:innen Anspruch auf Zuschläge für Überstunden. Diese können in Form von Geld oder Zeitausgleich abgerechnet werden, wobei eine Überstunde 1,5 Zeitausgleichsstunden entspricht, wie WKO angibt. Im Idealfall wird bereits im Kollektivvertrag geregelt, wie Überstunden abzugelten sind. Fehlt eine solche Regelung, entscheidet das letzte Wort über die Abgeltung die Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Forderungen und Lösungen
Die Arbeiterkammer (AK) fordert vehement ein Ende des „Lohnraubs“ und pocht auf eine rasche Umsetzung von Maßnahmen, die sicherstellen sollen, dass Überstunden entweder entlohnt oder durch Zeitausgleich kompensiert werden. Ines Stilling von der AK appelliert an die Politik, Steuervergünstigungen einzuführen, um die Staatskasse zu entlasten, und die Kontrollkräfte, insbesondere die Finanzpolizei, besser auszustatten, um Missstände zu verhindern.
Die Diskussion um unbezahlte Überstunden zeigt ein tiefgreifendes strukturelles Problem in der österreichischen Arbeitswelt, das sowohl soziale als auch wirtschaftliche Dimensionen hat. Die Umsetzung von geltenden Gesetzen zur Abgeltung von Überstunden ist entscheidend, um die Interessen der Arbeitnehmer:innen zu schützen und den Begriff der fairen Arbeit wieder auf die Agenda zu setzen.