Österreich plant ein umfassendes Verbot für Social Media für Personen unter 14 Jahren. Dies wurde von Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) bekannt gegeben, der betont, dass technische Lösungen aktuell geprüft werden. Ziel ist es, das Verbot bis zum Herbst 2023, also mit Beginn des neuen Schuljahres, in Kraft zu setzen. Dabei orientiert sich Österreich am australischen Modell, bei dem Plattformen in die Verantwortung zur Altersverifikation einbezogen werden. Diese Herangehensweise wird jedoch von NEOS, einem der Koalitionspartner, abgelehnt. NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter plädiert stattdessen für eine Weiterentwicklung der ID-Austria im Rahmen der EU, die allerdings erst 2027 realisierbar sein wird.

Pröll äußerte Bedenken bezüglich der Fähigkeit anderer europäischer Länder, rasch Regelungen umzusetzen. Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich bereits für Altersgrenzen im digitalen Raum ausgesprochen. Das Europäische Parlament fordert ein Mindestalter von 13 Jahren für soziale Medien und Videoplattformen. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) hebt die Dringlichkeit einer nationalen Regelung hervor, falls bis Ende 2025 keine europäische Lösung umgesetzt wird. Er sieht den Schutz von Kindern im digitalen Raum als dringend notwendig an. Diese Bestrebungen stehen vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über die Online-Sicherheit von Kindern und Jugendlichen.

Internationale Diskussion

In Deutschland gibt es zurzeit keine wirksame Altersverifikation. Die Bundesregierung plant die Einsetzung einer interdisziplinären Kommission zur Entwicklung von Empfehlungen für den Jugendmedienschutz, während Experten wie Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, sich gegen starre Altersgrenzen aussprechen. Düll hebt die positiven Aspekte digitaler Kommunikation hervor und fordert eine stärkere Medienkompetenz.

Schutzbedürfnis erkennen

Das Fachmagazin BzKJAKTUELL widmet sich ebenfalls den gesetzlichen Altersgrenzen für Social Media und orientiert sich am australischen Vorbild. Direktor Sebastian Gutknecht spricht sich für den Schutz von Kindern vor den Gefahren in sozialen Netzwerken aus. Eine gesetzliche Altersgrenze wird von Professorin Dr. Eva Möhler gefordert, um die Gesundheit junger Menschen zu sichern. Silke Müller, eine Schulleiterin, betont die Notwendigkeit einer besseren medienpädagogischen Ausbildung und Medienkompetenzförderung im Bildungssektor.

Allerdings gibt es auch Stimmen gegen starre Regelungen. Jutta Croll von der Stiftung Digitale Chancen sieht den Ausschluss junger Menschen von sozialen Medien als Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Sie argumentiert, dass Kinder und Jugendliche ein Recht auf Teilhabe an digitalen Räumen haben, wobei der Schwerpunkt auf deren Sicherheit gelegt werden sollte. In einem Interview äußern Jugendliche wie Anais Böhme (16) und Yunus Roschlau (14) ihre Erfahrungen und Bedürfnisse in digitalen Räumen, unterstreichen aber auch die bedeutende Rolle von sozialen Medien für ihre Kommunikation.

Zusammenfassend zeigt sich, dass die Debatten um Altersgrenzen für soziale Medien von einem hohen sozialen und politischen Stellenwert geprägt sind. In Deutschland und Österreich wird versucht, ein Gleichgewicht zwischen Schutzbedürfnissen und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen zu finden. Die nächsten Schritte im Rahmen dieser Diskussion könnten entscheidend für zukünftige Regelungen im digitalen Raum sein.

Für weiterführende Informationen zu diesen Entwicklungen können die Artikel auf Dolomitenstadt, Tagesschau und BzKJ konsultiert werden.