Der ehemalige Alt-Landeshauptmann von Oberösterreich, Josef Ratzenböck, ist am 23. Dezember 2025 im Alter von 97 Jahren verstorben. Die Nachricht hat in seiner Heimatgemeinde Neukirchen am Walde große Trauer ausgelöst. Viele Wegbegleiter und Gemeindevertreter erinnern sich an Ratzenböcks beeindruckendes Lebenswerk und erzählen Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit. Historiker Thomas Scheuringer beschreibt ihn als „Wirtsbua“, was seine tiefe Verbundenheit zur Heimatgemeinde verdeutlicht. Am Freitag, dem Tag der Trauer, lag eine dicke Schneedecke über Neukirchen am Walde, während an den öffentlichen Gebäuden schwarze Fahnen gehisst wurden, ein Zeichen für die Trauer der Bürger über den Verlust ihres geschätzten Landeshauptmannes.

Josef Ratzenböck wurde am 15. April 1929 in Neukirchen am Walde geboren und hatte eine langjährige Karriere in der Politik. Über viele Jahrzehnte hinweg war er in verschiedenen politischen Funktionen tätig. Als Abgeordneter zum Oberösterreichischen Landtag und Mitglied der Oberösterreichischen Landesregierung hat er einen markanten Einfluss auf die regionale Politik ausgeübt. Von 1977 bis 1995 diente Ratzenböck als Landeshauptmann von Oberösterreich, wo er maßgeblich zur Entwicklung des Bundeslandes beitrug. Seine politischen Initiativen, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Soziales und Kultur, haben die Region nachhaltig geprägt, weshalb sein Name mit zahlreichen erfolgreichen Projekten und Maßnahmen verknüpft ist. Informationen zu seinem Leben und den Trauerfeierlichkeiten sind auf der Website des Landes Oberösterreich abrufbar, die auch ein online Kondolenzbuch bereithält.

Vielseitiges Erbe

Neben seinen politischen Tätigkeiten ist Ratzenböck für seine Menschlichkeit und sein Engagement in der Gemeinschaft bekannt. Er förderte nicht nur wirtschaftliche Entwicklungen, sondern setzte sich auch für soziale Projekte ein, die den Zusammenhalt in der Region stärken sollten. Seine Vision war es, Oberösterreich als selbstbewusstes und lebenswertes Bundesland zu gestalten.

Oberösterreich im historischen Kontext

Um das Leben und die Verdienste von Josef Ratzenböck angemessen würdigen zu können, ist es wichtig, den historischen Kontext von Oberösterreich zu verstehen. Diese Region hat eine lange Geschichte, die von den ersten Menschen im Mittelpaläolithikum bis zur modernen Entwicklung reicht. Oberösterreich wurde 1156 zum Herzogtum erhoben und hat bis heute eine bedeutende Rolle in der österreichischen Geschichte gespielt. Die Industrialisierung ab dem 19. Jahrhundert führte zu einem signifikanten Anstieg an Fabriken und einer wirtschaftlichen Blütezeit.

Die Stadt Linz, die im Jahr 1210 Stadtrecht erhielt, stellte sich zunehmend als kulturelles Zentrum dar und entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem industriellen Höhepunkt. Kulturelle Entwicklungen wie das Brucknerhaus, das Ars Electronica Festival und die Johannes Kepler Universität Linz sind heute prägende Merkmale der Region, die auch stark von den politischen Entscheidungen und dem Engagement von Persönlichkeiten wie Josef Ratzenböck profitierten. Oberösterreich, das sich nach dem Krieg zu einem der wichtigsten Industrieländer Österreichs entwickelte, trägt bis heute die Spuren seiner bewegten Geschichte und der Menschen, die ihn geprägt haben.