Die Beschäftigten der Ordensspitäler in Oberösterreich haben am 14. Januar 2026 mit überwältigenden 93,3 % für einen ganztägigen Streik am 22. Januar gestimmt. Dieser Streik soll Druck auf die festgefahrenen Kollektivvertragsverhandlungen ausüben, bei denen es bislang zu keiner Einigung gekommen ist. Alle acht Ordenskrankenhäuser in Oberösterreich werden von diesem Arbeitsausstand betroffen sein, zum Beispiel die Barmherzigen Brüder und Schwestern sowie das Klinikum Wels-Grieskirchen.
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) muss den Arbeitskampf noch freigeben, bevor die Maßnahmen in Kraft treten. Die Gewerkschaft vida hat die Verantwortung gegenüber den Patienten betont und kündigt den Streiktermin frühzeitig an, um ausreichend Vorlaufzeit für die Betroffenen zu schaffen. Zudem bietet die Gewerkschaft in Abstimmung mit den Ordensspitälern Beratungen über einen geordneten Rückgang des Betriebs am Streiktag an.
Kollektivvertragliche Forderungen und Arbeitgeberreaktion
Die Kollektivvertragsverhandlungen für das nichtärztliche Personal sind bereits durch vier Runden ohne Einigung geprägt. Die Gewerkschaft vida fordert ein reales Lohnplus sowie die schrittweise Einführung einer 35-Stunden-Woche, während die Arbeitgeberseite diese Forderungen als nicht erfüllbar abtut. Die Ordensspitäler argumentieren, eine Reduzierung der Arbeitszeit würde jährlich Mehrkosten von etwa 80 Millionen Euro und 900 zusätzliche Vollzeitäquivalente erfordern.
Ein aktuelles Angebot vonseiten der Arbeitgeber sieht eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 3,3 % ab dem 1. Juli 2026 vor, was an den Abschlüssen des öffentlichen Dienstes angelehnt ist. Diese Offerte wird jedoch von der Gewerkschaft als unzureichend abgelehnt. Die Beschäftigten berichten von steigenden Patientenzahlen und einem akuten Personalmangel, was die Notwendigkeit für bessere Arbeitsbedingungen und eine faire Entlohnung unterstreicht.
Politische Verantwortung und Ausblick
Die gewerkschaftliche Initiative erhält zusätzlichen Rückenwind durch eine aktuelle Studie der Caritas, die das Potenzial von bis zu 4.000 Vollzeitstellen aufzeigt, wenn Teilzeitkräfte ihre Stunden erhöhen. In einer Demonstration vor dem Linzer Landhaus haben sich rund 200 Beschäftigte versammelt, jedoch erschien Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander nicht zur Kundgebung. Die Gewerkschaft vida kritisiert die Arbeitgeber für deren Darstellung ihres Angebots als zu teuer und bleibt gesprächsbereit, mit dem Ziel, die Situation am Verhandlungstisch zu verbessern.
Die Entwicklung in den Ordensspitälern in Oberösterreich ist Teil eines größeren Trends in den Verhandlungen im Gesundheitswesen, wie aktuelle Termine zu Kollektivvertragsverhandlungen zum Beispiel in Kärnten und Oberösterreich zeigen. Angesichts der steigenden Herausforderungen im Gesundheitssektor ist es entscheidend, dass sowohl Politik als auch Arbeitgeber die finanzielle und strukturelle Verantwortung ernst nehmen, um ein faires und funktionierendes Gesundheitssystem zu gewährleisten.
Weitere Informationen zu den Entwicklungen in den Kollektivvertragsverhandlungen und anstehenden Terminen finden Sie bei GPA. Details zu den Abstimmungen und Streikankündigungen liefert auch Tips. Aktuelle Entwicklungen können bei 5min verfolgt werden.