In Oberösterreich zeigt sich ein alarmierendes Jugendproblem: Ein Mädchen musste innerhalb von drei Jahren 79 Mal in der Kinderstation oder Jugendpsychiatrie behandelt werden. Der überwiegende Teil dieser Aufenthalte, nämlich 60, war auf Mischintoxikationen, also die gleichzeitige Einnahme mehrerer Substanzen, zurückzuführen. Diese beunruhigenden Daten stammen aus einer umfassenden Analyse des Medizinstudenten Marco Breiteneder an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Linz. Untersucht wurden 1279 Patienten im Alter von 12 bis 18 Jahren, die zwischen 2019 und 2023 aufgrund von Vergiftungserscheinungen hospitalisiert wurden. Das Durchschnittsalter der Betroffenen lag bei 16 Jahren.

Besonders hervorzuheben ist die Besorgnis Breiteneders über den Suchtgiftmissbrauch, zu dem auch Alkohol zählt. 2023 mussten 88 Jugendliche mit schweren Alkoholvergiftungen behandelt werden, wobei zwei Drittel dieser Fälle an Wochenenden verzeichnet wurden. Mädchen waren dabei häufiger betroffen, während Jungen schwerere Verläufe mit höheren Blutalkoholspiegeln aufwiesen. Trotz des alarmierenden Anstiegs der Mischintoxikationen bleibt Alkohol die häufigste konsumierte Substanz. Cannabis und Kokain zeigen ebenfalls steigende Nachweise, wobei Kokain in 92 Prozent der Fälle im Rahmen von Mischkonsum zusammen mit Cannabis festgestellt wird.

Rauschtrinken unter Jugendlichen steigt wieder

Laut einem aktuellen Bericht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat das Rauschtrinken bei Jugendlichen nach einem Rückgang während der Corona-Pandemie wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht. Insgesamt haben 65,1 % der männlichen und 60,8 % der weiblichen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren bereits Alkohol konsumiert. Dies stellt eine gewisse Stagnation dar, da diese Werte vergleichbar mit jenen von 2016 sind. Der regelmäßige Alkoholkonsum ist hingegen gesunken, obwohl Rauschtrinken mit 17,1 % bei den männlichen und 13,1 % bei den weiblichen Jugendlichen verbreitet ist.

Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, warnt eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums. Die BZgA bietet Aufklärung über die Gefahren des Alkoholkonsums und gibt Ratschläge für den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. In einer Drogenaffinitätsstudie wurden 7.001 junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren befragt, wobei der Durchschnitt des ersten Alkoholgenusses nun bei 15,1 Jahren liegt – thus ein Jahr später als noch 2004.

Internationale Trends und spezielle Herausforderungen

Ein Bericht der WHO beleuchtet besorgniserregende Trends im Substanzkonsum unter Jugendlichen in Europa, Zentralasien und Kanada. Etwa 57 % der 15-Jährigen haben mindestens einmal Alkohol konsumiert, und 20 % dieser Altersgruppe konsumierten kürzlich E-Zigaretten. Zudem berichten 9 % der Jugendlichen von erheblichen Trunkenheiten, mit einem Anstieg von 5 % bei 13-Jährigen auf 20 % bei 15-Jährigen. Dies verdeutlicht den wachsenden Handlungsbedarf in der Prävention.

Die WHO fordert verstärkte Maßnahmen zur Bekämpfung des Substanzkonsums unter Jugendlichen, wie etwa die Erhöhung der Verbrauchsteuern auf Alkohol und Tabak sowie die Einführung von strengen Werbebeschränkungen. Dr. Hans Henri P. Kluge von der WHO hebt hervor, welch erhebliche Bedrohung der Substanzkonsum für die öffentliche Gesundheit darstellt, und fordert gezielte Präventionsstrategien.

Die aktuellen Entwicklungen in Oberösterreich und die bundesweiten Trends unterstreichen den dringenden Bedarf an Aufklärung und Unterstützung für Jugendliche, um die gesundheitlichen Risiken des Substanzmissbrauchs zu minimieren.